Die deutschsprachige Gemeinde in Australien
Die australische Bevölkerung deutschsprachiger Herkunft, die sich aus Deutschen, Österreichern und Deutschschweizern zusammensetzt, wuchs in den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg dramatisch an.
Es gab aber bereits frühere Einwanderungswellen die die deutschsprachigen Einwanderer zu einer der größten Gruppen nicht-englisch sprechender Herkunft werden liessen. Ihre Gegenwart ist bereits in den frühesten Tagen der europäischen Kolonisation belegt.
Der Kommandeur der "Ersten Flotte", Kapitän Arthur Phillip war der Sohn des Sprachlehrers Jakob Phillip aus Frankfurt. Über das Einströmen der Deutschen nach Australien wird detailliert im Buch The Australian People (Die australischen Menschen), das von James Jupp herausgegeben wurde, berichtet.
Einer der einflußreichsten Deutschen, die je australischen Boden betreten haben, war Ludwig Leichardt. Er ist der legendäre Erforscher von Nord-Queensland und Teile des Nordterritoriums des Jahres 1844. Einer der ersten Deutschschweizer, der hier ankam, war Johann Weber, der seinen Namen später zu John Webber anglisiert. Er war ein Mitglied der Expedition von Kapitän Cook des Jahres 1770.
Der erste prominente Österreicher in Australien war Ferdinand Bauer. Als bekannter botanischer Maler war er der einzige Nichtbrite der auf Einladung von Sir Joseph Banks an der ersten Umsegelung Australiens unter dem Kommando von Matthew Flinders im Jahre 1801 teilnahm.
Schweizer Einwanderer kamen schließlich in größerer Zahl in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Da die deutschsprachigen Siedler eine bedeutende Rolle im Aufbau der Landwirtschaft und Maschinenindustrie in Australien gespielt haben, ist diese Gruppe nun weitaus besser in die australischen Gesellschaft integriert als die meisten anderen Einwanderergemeinden.
Heute ist die Mehrheit der deutschsprachigen Fachkräfte und Gewerbetreibenden, die während der letzten Einwanderungswellen in den sechziger und siebziger Jahren hier eintrafen, kaum vom Rest der australischen Gesellschaft zu unterscheiden.
Über die Jahre hinweg wurde die Aufrechterhaltung ihrer kulturellen Identität immer schwieriger, da die Nachkommen der zweiten und dritten Generation voellig assimiliert wurden.
Die Einbeziehung magazinartiger deutsch-englischer Radiosendungen in das Programm von SBS trägt diesem Trend Rechnung.
Dementsprechend hat das deutschsprachige Programm von SBS Radio einen Ansatz, der es erlaubt, traditionelle, folkloristische, wie auch zeitgenössische und kulturelle Themen und Entwicklungen in variabler Kombination zu behandeln.
Das Team des deutschsprachigen Programmes ist besonders stolz auf seine Verbundenheit mit einem Pionier des ethnischen Rundfunks in Australien: Walter Schäuble.
Herr Schäuble war einer der ersten Koordinatoren des deutschsprachigen Programmes in den siebziger Jahren. Gerda Louch, die ehemalige Leiterin des Programmes in Melbourne, arbeitete mit ihm mehr als fünf Jahre lang, bis er 1986 starb.
Zu seinem Angedenken wurde die Walter Schäuble Stiftung ins Leben gerufen die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ethnische Journalisten und Medienschaffende in ihrer professionellen Ausbildung zu unterstützen.