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Wahl(kampf)helfer sind meistens voll motiviert (FABRICE COFFRINI/AFP/Getty Images)

Sie sind unverzichtbar: Zum Gelingen einer Wahl tragen auch bei dieser Bundestagswahl wieder unzählige Freiwillige in ganz Deutschland bei. Als Wahlhelfer im Wahllokal oder als Wahlkampfhelfer, die schon im Vorfeld die einzelnen Parteien tatkräftig unterstützen.

By
Maria Schaller
Published on
Tuesday, September 12, 2017 - 18:19
File size
4.8 MB
Duration
10 min 29 sec

Tausende Wahlhelfer und Wahlkampfhelfer leisten rund um die Bundestagswahl unentbehrliche Arbeit: Und das fast immer ehrenamtlich - ohne Entgelt und während der Freizeit.

SBS German hat fünf der vielen namenlosen Ehrenamtlichen befragt. Hören Sie ihre Motive und Erfahrungen im Podcast (siehe oben) oder lesen Sie hier einige Meinungen.

Gerhard Gräber aus Neu-Isenburg bei Frankfurt ist seit Anfang der 80er Jahre als Wahlhelfer aktiv. "Weil mich das sehr interessiert und ich der Meinung bin, dass unser Helfen für die Demokratie sehr wichtig ist", erzählt der knapp 70-Jährige.

Seit 1975 ist Gräber Mitglied der FDP, für die er nach wie vor auch im Wahlkampf wirbt: "Ich verteile Prospekte, hänge Plakate auf, mache Personenwerbung und besuche auch Infostände."

Auf Stimmenfang bei potenziellen Wählern geht auch Peter Kespohl für die SPD in Bonn: "Das kann bereits um 6 Uhr morgens mit dem Verteilen von Frühstückspaketen bei Straßenbahn- oder Ubahn-Stationen beginnen."

Der Pressesprecher der Telekom wirbt zusätzlich an Samstagen vor großen Einkaufszentren und macht Hausbesuche. "Abneigung habe ich persönlich noch keine erfahren, aber sehr wohl abweisende Reaktionen. Manche sagen auch einfach ´ihre Partei schon gar nicht´. Hin und wieder gibt es aber auch hitzige Diskussionen".

Martin Hackober ist seit seiner Studienzeit für die CDU aktiv. Wie viele Freiwillige opfert er dem Wahlkampf seine Freizeit und nimmt vor der Bundestagswahl eine Woche Urlaub.

Der Steuerberater wirbt in vielen direkten Gesprächen für einen CDU-Kandidaten. "Das kann am Berliner Stadtrand auch am Gartenzaun sein. Es gibt Menschen, die sich freuen, aber auch solche, die gar nicht zustimmen", erzählt er von seinen Erfahrungen.

Hackober verteilt auch morgens am Bahnhof Flyer und betreibt Wahlkampf an den Haustüren, vor allem abends. Mittlerweile hat aber nicht nur der direkte Kontakt zum Wähler große Bedeutung: "Unser Social-Media-Team begleitet unsere Aktionen mit Bildern. Auch so können wir auf unseren Kandidaten aufmerksam machen."

Wahlhelfer arbeiten in den Wahllokalen, während Wahlkampfhelfer die einzelnen Parteien unterstützen

Unter den Wahlkampfhelfern der einzelnen Parteien finden sich viele junge Gesichter.

Der 22-jährige Julian Sanwald ist Mitglied und Sprecher bei den Grünen in Heidelberg. Er hilft unter anderem bei der Organisation von Veranstaltungen und koordiniert Informationsstände in der Stadt.

Besonders der Kontakt mit den Menschen motiviert ihn, am Wahlkampf teilzunehmen: "Schön finde ich, dass man aus seiner eigenen Blase rauskommt. Ich als Student bin meistens im Umfeld jüngerer Menschen. Beim Straßenwahlkampf triffst du aber auf die breite Masse der Gesellschaft. Du kommst dabei mit sehr vielen Menschen und Meinungen in Kontakt."

Die 32-jährige Meike Simone aus Frankfurt ist nicht als Parteihelferin, aber im Wahllokal aktiv.

"In meiner Familie hat das Tradition. Deshalb hat sich bei mir mit der Volljährigkeit gar nicht die Frage gestellt. Ich fand die Stimmauszählung aber schon als Kind spannend, außerdem finde ich die Arbeit demokratiepolitisch wichtig."

Als jüngere Wahlhelferin ist sie eher die Ausnahme. "Der Alterschnitt liegt sicher bei 40+", erzählt Gerhard Gräber, der als Stadtverordneter mithilft, "außerdem wird es immer schwieriger, Personen zu finden, die sich freiwillig beteiligen. Die Arbeit ist für mich fast zu einem Zweitjob geworden."

Alle Wahlhelfer und auch Wahlkampfhelfer müssen viel Motivation mitbringen. Schließlich geht es darum, ohne große Entschädigung die eigene Freizeit zu opfern.

Meike Simone sagt: "Unheimlich attraktiv ist das Wahlamt nicht, man bekommt vielleicht einen Unkostenbeitrag oder kleine Geschenke, aber Geld verdienen kann man im Wahlamt nicht. Es ist ein Ehrenamt."

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