Das Eszett ist jetzt ganz offiziell auch ein Großbuchstabe.
Ausgerechnet ein Buchstabe sorgt in den deutschen Medien für Aufregung in der eigentlichen "Saure-Gurken-Zeit".
21 Jahre seit der letzten Rechtschreibreform, mit der noch heute so mancher kämpft, beschloss der Rechtschreibrat die Einführung des großen Eszetts.
Historisch gesehen geht der Buchstabe auf eine Ligatur aus "s" und "z" zurück, daher auch der Name. Der vielen im deutschsprachigen Raum noch nicht mal bekannt ist: Vor allem im Westen, Süden und auch in Österreich spricht man eher vom "scharfen s", während der Buchstabe in der Schweiz und Liechtenstein komplett ignoriert wird.

Von allen 26 Buchstaben des deutschen Alphabets, inklusive Eszett und Umlauten, war es der Einzige, den es in keiner Großversion gab. Vor allem mit der Begründung, dass kein Wort im Deutschen damit beginne. Das führte dazu, dass Wörter mit Eszett in Versalien (Großbuchstaben) mit einem Doppel-S versehen wurden. Was aber Verwirrungen auslöste: Die Masse (MASSE) sah plötzlich gleich aus wie die Maße (MASSE).
Probleme brachte das Eszett vor allem auch bei Ausweisen, teilte der Rat für deutsche Rechtschreibung in Mannheim mit. Personen mit Eszett im Nachnamen hatten in Reise- oder Personalausweisen oft ein Doppel-S stehen. In Österreich war es aber zum Beispiel Pflicht, im Ausweis die idente Schreibweise wie in der Geburtsurkunde zu haben, was wiederum im Ausland, das kein Eszett kennt, Probleme brachte.Der Rat hat übrigens Mitglieder aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, dem Fürstentum Liechtenstein, der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol und der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens.
Ähnlich, aber nicht gleich.
Das neue große Eszett ẞ ist vom kleinen ß optisch kaum zu unterscheiden. Dennoch sieht es minimal anders aus und sollte korrekterweise auch so verwendet werden, beispielsweise in Printpublikationen. Auf handelsüblichen deutschen Tastaturen fehlt die neue Großversion klarerweise noch. Wer´s richtig machen will, kann über Windows 1E9E, Alt+C eingeben.
Das große Eszett ist nicht die einzige Neuheit.
Der Rechtschreibrat hat mit 29. Juni auch einzelne Wortschreibungen an den Schreibgebrauch angepasst.
Zum Beispiel "Grislibär" (amtlich erlaubt ist nur noch Grizzlybär), "Joga" (nur noch: Yoga), "Komplice" (Komplize), "Roulett" (Roulette), "Varietee" (Varieté) oder "Wandalismus" (Vandalismus).
Manche müssen jetzt vielleicht ihre Logos überdenken:
Neu ist auch die amtliche Großschreibung des Adjektivs in Fällen wie "Goldene Hochzeit" und "Neues Jahr".
Außerdem darf die eingedeutschte Version "Ketschup" nur als noch "Ketchup" geschrieben werden.
