Was in Australien, den USA, Großbritannien oder Skandinavien undenkbar ist, ist in Deutschland (noch) gang und gäbe.
Wie eine aktuelle Studie der Europäischen Zentralbank zeigt, haben die Deutschen mehr Bargeld im Portemonnaie als irgendein anderes Land der Euro-Zone. 2016 hatten sie im Schnitt 103 Euro bei sich. Der europäische Durchschnitt liegt bei 65 Euro.
80 Prozent der Transaktionen werden in Deutschland mit Bargeld abgewickelt. Nur ca. jede 20. Bezahlung wird mit einer Kreditkarte durchgeführt.
Auffallend ist auch, dass Männer öfter bar bezahlen als Frauen und auch Personen über 40 lieber auf Scheine als Plastikkarten zurückgreifen, so die EZB.
Die bargeldlosen Zahlungen stiegen in Deutschland zwischen 2010 und 2016 um nur 7 Prozent pro Kopf.
Nirgendwo war der Aufschrei so groß wie in Deutschland, als 2016 die 500-Euro-Note abgeschafft wurde.
Laut Peter Barkow, dem Leiter der Beratungsfirma Barkow Consulting in Düsseldorf, haben Deutsche im Schnitt auch 2.200 Euro zuhause gelagert.

Gründe für diese bedingungslose Treue zum Bargeld gibt es viele:
Deutsche haben überduchschnittlich hohe Ängste was den Datenschutz betrifft. Auch die Bedenken gegenüber neuen Technologien gelten als hoch.
Weit verbreitet ist auch der Grundsatz: Bargeld garantiert einen besseren Überblick über die eigenen Ausgaben.
"Ineffizient und schrecklich teuer"
John Cryan, der CEO von Deutschlands größtem Geldinstitut, der Deutsche Bank, hat das Ende der Bargeld-Transaktionen bereits für die "nächsten zehn Jahre" vorausgesagt. Das derzeitige System ist in seinen Augen "ineffizient und schrecklich teuer".
Gleichzeitig geht aus der Studie der EZB hervor, dass Bezahlungen mit Bargeld zurückgehen werden, sobald sich das kontaktlose Zahlen mit Karte oder Smartphone an mehr und mehr Kassen ausbreitet.
Erwartet wird, dass durch die neue bargeldlose Technologie, die Apple auf den Markt bringen wird, der Einsatz von Bargeld zurückgehen wird.
Bedeutet das, dass Scheine und Münzen bald ganz verschwinden werden?
Viele Deutsche fürchten diese Vorstellung. Bundestagspräsident und Ex-Finanzminister Wolfgang Schäuble hat jedenfalls in einem Interview bereits angekündigt: "Das Bargeld wird nicht abgeschafft. Punkt!"
