Für den australischen Coach Ange Postecoglou steht viel auf dem Spiel. Ziehen die Socceroos bei dem heutigen Spiel in Malaysia den Kürzeren, dann bleibt der Mannschaft nur noch eine allerletzte Chance beim Rückspiel in Sydney am 10. Oktober, um an der nächsten WM teilzunehmen. Doch ob das auch für den Trainer gilt, ist unwahrscheinlich. Schon mehren sich die Gerüchte über Postecoglous Entlassung im Falle einer Niederlage gegen Syrien, heute Abend. Beim Rückspiel wird dann wohl ein anderer Coach versuchen, das Lenkrad noch rumzureißen und den Karren gen Moskau zu lenken. Schade, wenn das so passiert. Ich kenne Postecoglou noch aus seinen Zeiten als ranker und schlanker Profifußballer, der immer gerne zu einem Interview ins SBS TV Sportstudio kam. Er ist als Trainer kein Pep Guardiola, doch eine ehrliche Haut, der Konflikte meidet und Harmonie sucht. Der Stress, Nationaltrainer zu sein, hat dazu geführt, dass er etwas Kummerspeck angesetzt hat. Leider muss man wohl ein ‚scharfer Hund‘ sein, um eine Truppe von Fußballstars auf die Reihe zu bringen, Postecoglou ist dazu vielleicht einfach zu nett.
Für die Syrer sind die Umstände des heutigen Spiels gegen unsere Socceroos vorteilhaft. Wegen des Krieges in der Heimat tragen die Syrer ihre Heimspiele in Malaysia aus. Sie sind an das tropische-feuchte Klima gewöhnt. Die Nähe der Mannschaft zur umstrittenen Regierung in Damaskus wird vom Fußballverband Fifa gerne übersehen. Man feiert lieber die Erfolgsgeschichte des syrischen Teams mit und berichtet auf der Internetseite über den Höhenflug der "Kassiun-Adler", wie die Mannschaft die nach dem Gebirgszug am Rande der Hauptstadt Damaskus benannt ist.
Syrische Flüchtlinge in Australien stellt das Zusammentreffen auf dem Fußballplatz vor eine schmerzhafte Wahl. Gerne würden sie eine Mannschaft aus der alten Heimat anfeuern, doch vielleicht nicht gerade diese Regierungsauswahl. Doch einen hoffentlichen Sieg der Socceroos zu bejubeln, das fällt im Herzen auch schwer.
