Das Festival beginnt am kommenden Dienstag in Sydney und später auch in anderen größeren Städten.
Ich hatte das Glück, einen Film schon mal vorab zu sehen.
‘Numero Une‘ – Nummer Eins (weiblich) – so der Titel diese Films, ist die Story einer Gruppe von couragierten Frauen im Umfeld einer schicken PR Agentur. Sie haben es sich in den Kopf gesetzt, eine andere Frau an die Spitze des Pariser Wasserwerkes zu befördern, um den eisernen Griff der Männer in den Führungspositionen der Grande Nation ein für alle Mal zu brechen.
Die Aufgabe scheint wenig Aussicht auf Erfolg zu haben, denn die Männer sind wohlorganisiert und bereit, ihre – unverdienten – Privilegien zu verteidigen.
Im Film sind alle Männer zweifelhafte Charaktere – entweder reifere Schwerenöter mit jungen Mätressen, oder Gigolotypen, die ernsthafte junge Damen vom Pfad der Tugend locken wollen. Arbeiten tun sie nicht, das überlassen sie untergeordneten Mannschaften.
Die Frauen hingegen sind strebsam, ehrlich, mütterlich, untereinander solidarisch, immer stilvoll gekleidet und – trotz aller Müh und Plag – erotisch, gleich welchen Alters. In einem Wort: engelhaft!
So aufgestellt, gehen die beiden Teams dann in die Schlacht um die Leitung des Wasserwerks, was im Film als die Krönung der französischen Industrie dargestellt wird.
Nach feiner französischer Selbstdarstellung, sind die Orte des Schlachtgetümmels sorgfältig ausgesucht: Restaurants der ersten Klasse, erlesene Kunstgalerien, schicke Bars und natürlich das malerische Ufer der Seine. Alles wunderschön gefilmt. Werbung für Frankreich. Als Kontrast wird auch Hamburg einmal erwähnt, aber als ‘finster‘, schnell wieder abgetan.
Wie diese cineastische Klischee-Schlacht ausgeht, überrascht nicht. Die listigen Frauen gewinnen. Doch, um keine neue Revolution vom Zaun zu brechen, wird der Sieg nur durch das Kopfnicken eines Mannes möglich. Der französische Präsident lässt diskret den Aufsichtsrat des halbstaatlichen Wasserwerks wissen, wer sein bevorzugter Kandidat für den Führungsposten ist: Eine Frau, denn wie der Film zugibt, wäre das eine gute Geste an den Rest der männlich-verstockten Wirtschaftselite. Und damit sind alle happy und als endlich der Nachspann lief, gab es auch Applaus für dieses Meisterwerk.
Grosses Kino war’s aber dennoch nicht, dann die Klischees über Männer und Frauen waren zu dick aufgetragen, um wirklich überzeugend zu sein. Vielleicht kommt der Film auch 10 Jahre zu spät, denn nach überzeugenden Amtsperioden von Angela Merkel, Christine Lagarde vom Internationalen Währungsfonds, Hilary Clinton und Dilma Rousseff als Präsidentin von Brasilien, um nur ein paar zu nennen, ist wohl klar, dass Frauen die höchsten Ämter der Welt bekleiden können, auch ohne die Hilfestellung der Filmindustrie.
