Historisch sind es meist die Männer gewesen, die stets deutlich mehr Alkohol als Frauen tranken. Doch das Blatt wendet sich: Eine internationale Studie der Universität UNSW in Sydney fand, dass Frauen kräftig aufgeholt haben.
Frauen trinken inzwischen gleich viel Alkohol wie Männer. Dies fand eine Studie der Universität von New South Wales in Sydney heraus, die jetzt im Online-Magazin BMJ Open veröffentlicht wurde. Am auffälligsten war der Trend unter jungen Erwachsenen. Für die Studie wurden internationale Daten aus 68 Studien aus 36 Ländern mit insgesamt 4000 Teilnehmern analysiert. Unter diesen waren Menschen, die 1891 geboren wurden bis hin zu Menschen, die im Jahr 2000 auf die Welt kamen.
Die historische Zahlen sehen dabei völlig anders aus als die gegenwärtigen: Männer, die zwischen 1891 und 1910 geboren wurden, tranken noch mehr als doppelt so viel Alkohol wie Frauen aus dem gleichen Zeitraum. Sie waren zudem deutlich gefährdeter, Mengen zu trinken, die ihrer Gesundheit schadeten.
Das Trinkverhalten ist ein völlig anderes geworden

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100 Jahre später, bei Frauen und Männern, die zwischen 1991 und 2000 geboren wurden, ist das Trinkverhalten jedoch ein völlig anderes. Inzwischen trinken beide Geschlechter ähnliche Mengen Alkohol, manche Einzelstudien besagen sogar, jüngere Frauen würden sogar mehr trinken als Männer. Auch die Menge an alkoholkranken Menschen ist inzwischen unter Männern und Frauen weitestgehend ausgeglichen, während unter den 1891 bis 1910 Geborenen dreimal mehr Männer dem Alkohol verfallen waren. Und auch bei den negativen Auswirkungen, die Alkohol auf die Gesundheit haben kann, haben die Frauen aufgeholt.
Viele berufstätige Frauen trinken ein Bier oder einen Wein nach der Arbeit

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Die Gründe für den Wandel sind vielfältig: Alkoholische Getränke sind heute einfacher und billiger zu kaufen. Viele Frauen in der Berufswelt trinken inzwischen wie auch die Männer ein Bier oder einen Wein nach der Arbeit. Und auch das Marketing der Hersteller hat sich in den vergangenen Jahren auf weibliche Konsumenten konzentriert und die Kreation von süßeren Getränken, Mischgetränken und ästhetisch schönen Flaschen soll verstärkt Frauen ansprechen.
Dabei sind die Auswirkungen von Alkohol auf den weiblichen Körper deutlich extremer als auf den männlichen. So ergab eine europäische Langzeitstudie 2011, dass Frauen, die über einen sehr langen Zeitraum mehr als zwei Gläser pro Tag tranken, im Schnitt einen 1,5 Zentimeter größeren Taillenumfang hatten als Frauen, die nur sehr wenig oder gar keinen Alkohol konsumierten. Bei Männern waren es dagegen nur 1,1 Zentimeter mehr.
„Trinken Frauen viel Alkohol, kann sich ihr Körperbild langfristig merklich verändern. Nimmt der Taillenumfang zu, steigt auch das Erkrankungsrisiko für Typ-2-Diabetes, bestimmte Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, kommentierte Heiner Boeing als Leiter der Potsdamer EPIC-Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht.
Frauen und Männer verarbeiten Alkohol unterschiedlich

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Die vielen Kalorien – ein Piña Colada gleicht mit etwa 340 Kilokalorien einem Stück Sahnetorte – sind jedoch nur ein Teil, mit dem Frauenkörper schlechter umgehen können: Laut der Webseite der Aktionswoche Alkohol verarbeiten Frauen und Männer Alkohol auch unterschiedlich: So sei der Alkoholgehalt einer Frau, die dasselbe Körpergewicht wie ein Mann habe und dieselbe Menge Alkohol trinke, in ihrem Körper etwa 20 Prozent höher als beim Mann. „Der Grund: Ihr Körper enthält weniger Wasser, in dem der Alkohol verdünnt werden kann“, schreiben die Experten. Außerdem baue die weibliche Leber Alkohol langsamer ab, da sie kleiner sei und weniger Stoffe enthalte, die für den biochemischen Abbau des Alkohols nötig seien.



