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Die erste Bundesliga-Cheftrainerin in der Fußballgeschichte

Ihre Karriere als Trainerin startete Marie-Louise Eta 2018 beim SV Werder Bremen. Source: DPA / Andreas Gora/DPA/AAP Image
Am vergangenen Wochenende schrieb eine Dresdnerin deutsche Fußball-Geschichte. Nachdem der 1. FC Union Berlin die Entlassung von Trainer Steffen Baumgart verkündet hatte, sorgte die Bekanntgabe seiner Nachfolgerin für noch größere Schlagzeilen: Marie-Louise Eta soll bis zum Sommer das Team in Köpenick coachen- als erste weibliche Cheftrainerin eines Männer-Bundesligisten.
Julia Grewe: Am vergangenen Wochenende schrieb eine Dresdnerin Deutsche Fußballgeschichte. Nachdem der 1. FC Union Berlin die Entlassung von Trainer Steffen Baumgart verkündet hatte, sorgte die Bekanntgabe seiner Nachfolgerin für noch größere Schlagzeilen. Marie Louise Etta soll bis zum Sommer das Team in Köpenick coachen als erste weibliche Cheftrainerin eines Männerbundesligisten. Meine Kollegin Lidia Cortina ist nun bei mir mit den Details zu dieser sensationellen Nachricht. Hallo Lidia
Lidia Cortina: Hallo Julia.
Julia Grewe: Ja, Lidia wer ist denn diese Frau, die gerade die Männerfussballgeschichte neu schreibt?
Lidia Cortina: Marie Louise Eta, geboren Marie Louise Bargehorn, wurde 1991 in eine, wie sie selbst sagt, fußballbegeisterte Dresdner Familie hineingeboren. Damit ist sie gerade erst 34 Jahre alt.
Julia Grewe: Ja, wow, das ist echt noch jung.
Lidia Cortina: Also es ist wirklich sehr beeindruckend, wie viel sie in ihrer noch kurzen Karriere schon erreicht hat und wie sie sich auch in diesem männerdominierten Sport durchsetzen konnte und kann, wie man sieht.
Julia Grewe: Kannst du uns etwas mehr über ihren Werdegang erzählen.
Lidia Cortina: Sehr gerne. Also sie selbst erzählt, sie habe schon von klein auf ganz viel Zeit mit dem Fußball verbracht. Mit 13 Jahren wechselte sie zu Turbine Potsdam und feierte dort ihre ersten großen Erfahrungen. Erfolge als Fußballspielerin. Damals gewann sie mit dem Verein dreimal die deutsche
Meisterschaft und 2010 den Titel in der Champions League. 2014 wechselte sie dann zum SV Werder Bremen, wo sie bis zum Schluss auch Kapitänin der Frauenbundesliga Mannschaft war. Wegen mehrerer Verletzungen musste sie allerdings schon mit 26 Jahren ihre Laufbahn als Spielerin beenden.
Julia Grewe: Das war sicherlich nicht einfach für sie, also wechselte sie dann vom Fußballfeld auf die Trainerbank.
Lidia Cortina: Ja, das kann man so sagen. Und ihre Karriere als Trainerin kam dann auch relativ schnell ins Rollen. Zunächst arbeitete sie im Nachwuchsbereich von Werder Bremen. 2021 wurde sie vom Deutschen Fußballbund als Co Trainerin der weiblichen U Auswahl engagiert und ein Jahr später schloss sie erfolgreich
den ProLizenz Lehrgang ab und darf seither zumindest offiziell auch als Cheftrainerin in der Bundesliga und 2. Liga arbeiten.
Julia Grewe: Die Ausbildung hat sich also gelohnt, denn jetzt darf sie tatsächlich die Rolle als Cheftrainerin des 1. FC Union Berlin übernehmen.
Lidia Cortina: Das ist richtig. Die Aufgabe ist für Eta allerdings kein komplettes Neuland. Den Hauptstadtclub hatte sie nämlich bereits von November 2023 bis Mai 2024 als Co-Trainerin bei seinem Abstiegskampf. Begleitet. Schon damals schrieb sie Geschichte als erste weibliche Co Trainerin der Bundesliga. Und so äußerte sich der Präsident des 1. FC Union Berlin, Dirk Zingler, damals zu dieser historischen Entscheidung.
Dirk Zingler: Wir haben einen sehr erfolgreichen A jungen Trainer, dort wird im Team gearbeitet. Und nein, es ist keine bewusste Entscheidung für eine Frau als Co Trainerin. Ich finde auch das würde diese Entscheidung ja schon fast wieder diskreditieren, sondern sie ist für mich eine ausgebildete Fussballlehrerin und ich betrachte sie ganz genauso, ob es eine Frau oder ein Mann ist. Diese Entscheidung war keine Frage für eine Frau, sondern es war eine Entscheidung für eine Fussballlehrerin, die im Team arbeitet.
Julia Grewe: Die Bundesliga der Männer ist natürlich eine männlich dominierte Welt. Wird ETA dort jetzt frischen Wind reinbringen?
Lidia Cortina: Ja, auf jeden Fall würde ich sagen. Die Fußball Bundesliga der Männer, die gibt es ja als Spielklasse seit 1963 also seit über 60 Jahren. Und dass eine Frau dort als Cheftrainerin dient, das ist wirklich etwas Beispielloses. Dazu muss man aber sagen, dass ETA Union Berlin nur interimistisch coachen wird, denn sie ist als Trainerin heiß begehrt und hatte schon im Vorfeld der Stelle als Cheftrainerin der Frauen-Profimannschaft der Berliner ab. Diesem Sommer zugesagt.
Julia Grewe: Der FC Union Berlin befindet sich zurzeit in einer riskanten Lage, ihm droht der Abstieg in die zweite Liga.
Lidia Cortina: Ja, das stimmt. Genau aus diesem Grund verkündete der Club nach einem katastrophalen Spiel gegen Heidenheim am Wochenende, er werde sich von Coach Steffen Baumgart Trennen. Auch dessen Co Trainer Danilo de Souza und Kevin McKenna müssen gehen. Baumgart hatte erst Anfang Januar 2025 die Rolle als
Trainer bei Union Berlin übernommen und in der vergangenen Saison den klub auf Platz 13 geführt. So äußerte sich der gebürtige Rostocker selbst zu der Niederlage in Heidenheim.
Steffen Baumgart: Wir haben heute ein Spiel geliefert und das muss man leider sagen. Wir spielen insgesamt eine schlechte Rückrunde. Das ist nicht nur ein Spiel, da bin ich in der Verantwortung. Der Verantwortung muss ich mich stellen, dass wir kontinuierlich in positive Leistungen kommen. Und das war heute nicht so. Und umso ärgerlicher, wenn ich das Spiel letzte Woche sehe, war es aus meiner Sicht eine vernünftige Leistung mit der fast selben Mannschaft und dieselbe Mannschaft ist heute nicht in der Lage, eine ähnliche Leistung zu bringen.
Julia Grewe: Da gibt es also Luft nach oben, würde ich mal sagen. Jetzt ist die große Frage, ob Marie Luise Eta als Nachfolgerin von Baumgart die Mannschaft aus dieser schwierigen Lage retten kann.
Lidia Cortina: Ja, das ist die große Frage. Dafür hat sie noch etwa einen Monat Zeit, bis die Saison dann vorbei ist. Horst Held, der Geschäftsführer Profifußball der Männer bei Union, der teilte, erfreue sich, dass Eta diese Herausforderung angenommen hätte. Und Eta selbst sagt, sie habe die Überzeugung, dass sie mit dem Team die entscheidenden Punkte holen könne.
Julia Grewe: Wir drücken ihr auf jeden Fall die Daumen. Das wäre noch eine weitere Sensation, nehme ich an. Wir bleiben gespannt. Danke, Lidia
Lidia Cortina: Gern.



