"Nach vielen Jahren Fernbeziehung war es Zeit am gleichen Ort zu wohnen", erklärt die 27-Jährige im SBS-Gespräch, warum sie sich entschied, ihren Lebensmittelpunkt nach Canberra zu verlegen. Ihr Partner Scott Reardon ist ebenfalls Leichtathlet und Paralympics-Sieger von Rio 2016.
Die 1990 in Schwerin geborene Low verlor bei einem Unfall an einem Bahnhof ihre Beine. Als Behindertensportlerin erreichte sie in den letzten Jahren herausragende Erfolge: Gold im Weitsprung und Silber über die 100 m in Rio, außerdem stehen Titel bei Welt- und Europameisterschaften sowie Weltrekorde auf ihrer Habenseite.
Aus schwarz-rot-gold wird gelb-grün
Durch den Umzug nach "Down Under" wird Vanessa Low nicht länger für Deutschland starten.
"Mein Leben ist jetzt in Australien, wir haben uns hier etwas aufgebaut. Man startet zwar für ein Land, aber letztlich ist man in der Leichtathletik Einzelsportler", erklärt Low. Als Australierin kann sie in Canberra trainieren und Förderungen beziehen. Weiter in Deutschland, z.B. bei Deutschen Meisterschaften, an den Start zu gehen, würde zudem ihren Trainingskalender durcheinander bringen, "die Saisonen sind umgekehrt, das wäre nicht so einfach."
Vanessa Low ist seit Mai Permanent Resident und wartet jetzt auf die Staatsbürgerschaft, um 2019 bei der Weltmeisterschaft und 2020 bei den Paralympics für Australien an den Start gehen zu können.
Deutschland "Behindertensportlerin des Jahres" will aber in jedem Fall ihre deutsche Staatsbürgerschaft behalten. "Meine Familie und Freunde sind alle in Deutschland. Ich möchte auch, dass z.B. meine Kinder in Deutschland leben können."
Vanessa Low betont, dass sie in Australien von der Bevölkerung und auch von in ihren Trainingspartnern herzlich aufgenommen wurde: "Ich kann mich überhaupt nicht beschweren. Ich wurde mit offenen Armen empfangen. Ich hatte ein paar Bedenken, weil ich ja nicht in Australien geboren wurde. Aber viele hier empfinden den Zugewinn an Kollegen und Freunden sehr positiv."

Vanessa Low bereitet sich bereits intensiv auf die kommenden Großereignisse vor. Nebenbei setzt sie ihr Studium im Bereich "Digitale Medien" fort. Bereits in Deutschland hatte sie Berufserfahrung beim TV-Sender RTL gesammelt.
"Ich mache jeden Tag Doppeleinheiten. Damit komme ich auf ca. 30 Stunden plus 10-15 Stunden für das Studium."
Im Bereich Medien möchte Vanessa auch nach ihrer aktiven Karriere weiterarbeiten. "Das ist ja gar nicht mehr so weit weg für mich", lacht sie.
Dass ihre Zukunft in Australien liegt, steht für sie bereits fest: "Schwerpunktmäßig wird sie in Australien liegen, deshalb habe ich diesen Schritt auch gewagt. Ich wollte mein ganzes Leben hierher verlagern. Mir gefällt es auch wirklich sehr, sehr gut. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch mal eine längere Zeit in Deutschland verbringen werde."




