Weltweit sind immer mehr Sprachen vom Aussterben bedroht. Australien steht dabei mit an vorderster Stelle. Bis zum Jahr 2050 könnten alle indigenen Sprachen verstummt sein.
Die Hälfte aller Sprachen weltweit sind vom Aussterben bedroht
Weltweit gibt es ca. 6000-7000 Sprachen. Die meisten davon werden jedoch nur von einer Minderheit gesprochen. Im Zuge der Globalisierung sind viele davon vom Aussterben bedroht.
Die am weiteste verbreiteten Sprachen sind Mandarin-Chinesisch, Englisch, Spanisch, Hindi, Arabisch, Portugiesisch, Bengali, Russisch, Japanisch und Deutsch. 35% der Weltbevölkerung spricht eine dieser Sprachen. Nur 3% aller Sprachen weltweit stammen aus Europa.
Australien besonders vom Sprachensterben betroffen
Australien ist besonders vom Sprachensterben bedroht. Als ein Grund dafür gelten die Auswirkungen der Kolonialisierung. Dazu Melinda Holden, angehörige der Warrgamay und Goreng Goreng Frauen. Sie arbeitet beim Zentrum für Sprachen in Queensland.
When invasion happened most of our language people weren’t allowed to speak their language. It was a no-no. They would get into trouble if they started talking language, so when you talk to a lot of people like my mother’s age they were never allowed to speak their language so it was lost.
Die Autoren Patrick Mc Convell und Nicholas Thieberger veröffentlichten im Jahr 2001 eine Studie zum Status der indigenen Sprachen in Australien. Diese fand heraus, dass die Anzahl der Sprachen die regelmäßig und flüssig – altersgruppenübergreifend und australienweit – gesprochen werden, seit 1800 um 90% zurückgegangen ist. Die Autoren warnen, dass wenn dieser Trend anhält, bis zum Jahr 2050 alle indigenen Sprachen aussterben könnten.
Neben Australien sind vor allem der Norden Südamerikas, die Westküste Nordamerikas, Ostsibierien, China, Japan und der Südwesten der USA vom Sprachensterben bedroht.
In Deutschland sind es Sprachen von Minderheiten, wie Nordfriesisch oder Sorbisch.
Die einzige deutsch-basierte Kreolsprache der Welt, und eine der seltensten Sprachen überhaupt ist “Unserdeutsch“. Eine Mischung aus Deutsch, Englisch und Tok Pisin. Sie wird heute von nur ca 100 Menschen geprochen. Ein deutscher Linguist aus Augsburg will die Sprache nun retten.
Globalisierung: einer der Gründe für das Sprachensterben
Viele bedrohte Sprachen werden nur noch von älteren Menschen gesprochen. Die jüngere Generation bevorzugt oft die Landessprache wegen sozialen Gründen, Druck zur Anpassung, aber auch wirtschaftlicher Vorteile. Aber auch die digitale Gesellschaft kann einer der Gründe dafür sein. Smart Phones und Computer Apps verfügen nur über eine begrenzte Anzahl von Sprachen.
Professorin Gillian Wigglesworth ist Direktorin der Abteilung für indigene Sprachen an der Uni Melbourne. Laut ihr liegt die Erhaltung der indigenen Sprachenvielfalt (in Australien) in der Hand der jungen Generation.
There’s probably between 110 and 120 languages which still has speakers but they’re often older speakers and there’s only probably between 14 and 17 of those Indigenous languages that still being learnt by the children and the bottom line is that if the children aren’t learning the language its probably not going to survive.
Wie rettet man eine Sprache?
Weltweit verstummt alle zwei Wochen eine Sprache. Experten sehen aber durchaus Möglichkeiten, bedrohte Sprachen zu retten. Dazu gehören gezielter Unterricht in Schulen, die Sprache zu dokumentieren (viele Sprachen wurden nie aufgeschrieben) und archivieren, oder eine erhöhte Medienpräsenz. All dies kann dazu führen, dass Betroffene sich wieder für die eigene Sprache einsetzten, und so zu deren Erhalt beitragen.
21. Februar: Tag der Muttersprache
Mit diesem Tag fördert die UNESCO die Muttersprachen weltweit, wie auch die Bi- und Mehrsprachigkeit. Denn Dialekte und Kleinsprachen stiften Identität, Zusammenhalt und Orientierung in einer sich immer mehr globalisierenden Welt.
Weitere Artikel:
Grandmothers’s Lingo. Eine sprachanimierte Animation die die Geschichte einer jungen Ureinwohnerin erzählt, die ihre Sprache retten will.
Landkarte der Sprachen der Ureinwohner in Austalien herausgegeben von der ABC.