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Wenn Essen zum Luxus wird: Tafeln in Deutschland unter Druck

Hamburger Tafel

Der Geschäftsführer der Hamburger Tafel e. V. Jan Henrik Hellwege Credit: Dag von Boor

Steigende Lebensmittelpreise und globale Krisen bringen immer mehr Menschen in Deutschland in finanzielle Not. Besonders in Städten wie Hamburg zeigt sich, wie stark die Auswirkungen sind – während die Zahl der Bedürftigen weiter wächst. Hilfsorganisationen wie die Hamburger Tafel e. V. versuchen, die Lücke zu schließen, versorgen wöchentlich zehntausende Menschen und geraten dabei selbst zunehmend unter Druck. Geschäftsführer Jan Henrik Hellwege gibt Einblicke in die Herausforderungen und Grenzen der Hilfe.


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Disclaimer: Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass die in diesem Beitrag geäußerten Meinungen die persönlichen Ansichten der interviewten Person/des Gesprächspartners darstellen.

Kaspar Visser: Essen zu leisten und gesund sich zu ernähren wird

für viele Menschen immer schwieriger. Laut der

Bundesinformation Zentrum Landwirtschaft ist der

Preis von Lebensmittel fast 32 Prozent zwischen

2021 und 2025 gestiegen. Es besteht ein erhöhtes

Risiko für Ernährungsunsicherheit in der

Gesellschaft, die seit dem Kriegsausbruch in der

Ukraine und der anschließenden Inflationskrise

deutlich zugenommen hat. Durch den Ausbruch des

Krieges im Nahen Osten und die erwartete

Energiekrise sind immer mehr Menschen bedroht. Am

stärksten betroffen und verwundbar ist das

iranische Volk. Aber Menschen überall auf der Welt

werden andere Auswirkungen erleben. In einen der

größten Städten Deutschlands kämpft eine Gruppe

gegen diese Ernährungsunsicherheit.

Speaker B: Wir haben gestern mit der Hamburger Tafel bei der

größten Lebensmittelmesse, der Internorga, Wenn

die schließt, dann fahren wir mit all unseren

Fahrzeugen dahin und holen die Lebensmittel von

den Ausstellern ab. Und das ist immer eine krasse

Aktion, die dann so ungefähr bis 22 Uhr abends

geht. Insofern sind wir heute alle noch ein

bisschen müde, aber sonst geht es uns gut.

Kaspar Visser: Jan Henrik Hellweger ist Geschäftsführer des

gemeinnützigen Vereins Hamburger Tafel. Seit er

vor 15 Jahren angefangen hat, durchlief er mehrere

Positionen und übernahm nach und nach mehr

Verantwortung. Letzte Woche habe ich ein Interview

mit ihm aufgenommen, in dem er die Größe des

Problems in Hamburg und die Rolle der Tafel bei

der Unterstützung der Menschen erläutert. Wie

viele Menschen sind in Deutschland oder in Hamburg

betroffen davon?

Speaker B: Also wir erreichen mit unseren Lebensmittelspenden

in Hamburg pro Woche circa Menschen, die wir

unterstützen mit unseren Lebensmitteln. Und ein

aktueller Bericht von der Diakonie sagt, dass

circa Menschen in Hamburg arm oder von Armut

bedroht sind. Bedeutet von den Menschen, die

wahrscheinlich unsere Leistung gut gebrauchen

könnten. Also Unterstützung von Lebensmitteln

eigentlich brauchen, erreichen wir so etwas mehr

als 10 Prozent.

Kaspar Visser: OK, und wer genau sind die Gruppen, die am

stärksten betroffen sind?

Speaker B: In Hamburg? Sind das Menschen, die eben Bürgergeld

beziehen, also Sozialleistungen bekommen.

Altersarmut spielt eine große Rolle. Das sind vor

allen Dingen Frauen, die nicht lange genug in die

Kasse eingezahlt haben und jetzt eine geringe

Rente haben und zum Beispiel Wohngeldbezuschussung

bekommen. Es sind natürlich Arbeitslose, ehemals

oder immer noch drogenabhängige, Menschen mit

psychischen Problemen und auch ein gewisser Anteil

an Schutzsuchenden in Hamburg, also die Gruppe der

Flüchtlinge. Wir arbeiten so, dass jeder, der auf

Hamburger Boden in Not ist, potenziell von uns

unterstützt wird. Also selbstverständlich machen

wir da keine Unterschiede in Bezug auf Herkunft

oder Religion oder solche Dinge.

Kaspar Visser: Und wie sieht es täglich dann bei euch aus, wenn

ihr arbeitet? Was erlebt man in einem Tag beim

Hamburger Tafel?

Speaker B: Also Wir sind hier 250 Ehrenamtliche, haben 17

Kühlfahrzeuge. Wir fahren vor allen Dingen den

Lebensmitteleinzelhandel an, also die Supermärkte

und holen dann hinten bei den Laderampen die

Lebensmittel ab, die nicht mehr zum Verkauf

geeignet sind, aber eben noch bedenkenlos zu

verzehren. Ein typisches Beispiel dafür ist zum

Beispiel die, wie wir sagen, die Tigerbanane, also

die Banane, die schon so ein paar braune Stellen

hat, die aber natürlich quasi vielleicht sogar

noch besser schmeckt, als wenn sie ganz knallgrün

ist. Oder auch ganz viel Backwaren. Backwaren sind

auch so ein Thema. Wenn die gekauft werden, dann

müssen die knalle frisch sein und von bester

Qualität, aber man kann sie auch noch ein, zwei

Tage länger natürlich ganz prima genießen. Das

sind also alles so die Lebensmittelgruppen, die

wir dann im Einzelhandel aus den Überschüssen mit

unseren Kühlfahrzeugen einsammeln und anschließend

an große soziale Einrichtungen in Hamburg

umverteilen.

Kaspar Visser: Der Prozess, diese Lebensmittel zu besorgen und

sie dann den entsprechenden Personen auszuliefern,

ist ein großes Unternehmen. Die Schließung der

Straße von Hummus und ihre Auswirkungen auf die

globale Lieferkette verursachen mehrere

Schwierigkeiten für diese Aufgabe. Ich habe Jan

Henrik gefragt, ob er sich um die Hamburger Tafel

sorgt und welche konkreten Auswirkungen es geben

könnte.

Speaker B: Also es ist definitiv so, dass wir natürlich hier

zwei Betriebsstoffe in unserem Verein haben. Das

eine ist der Kaffee, den die Kollegen morgens

trinken. Also Spaß beiseite. Der andere ist

natürlich ganz, ganz wichtig, der Diesel. Alle

unsere Fahrzeuge fahren zurzeit noch mit Diesel.

Wir haben keine Elektrofahrzeuge, weil das mit der

Kühlung techn. Nicht möglich ist. Da gibt es noch

nichts am Markt, was das beides kann. Und ja,

jetzt ist der Dieselpreis auf 2,20. Das bedeutet,

bei jeder unserer Strecken haben wir erhebliche

Mehrkosten. Das ist im Moment seit Anfang März so.

Ich meine, wir haben heute den 18. März. Das

können wir von unseren Kosten her noch durch

unsere Rücklagen überbrücken. Aber ich habe

tatsächlich schon verschiedene Unterstützer und

Stiftungen angeschrieben mit so einem kleinen

Hilferuf, dass wenn das jetzt weiter so bleibt,

dass die Dieselkosten so hoch sind, dass ich

einfach finanzielle Unterstützung brauche, damit

unsere Flotte, also unsere Fahrzeuge wirklich

weiterfahren können und auf der Straße bleiben.

Weil wenn das jetzt, ich sage jetzt mal, ein

halbes Jahr in diesem Rahmen so bleiben würde,

dann hätten wir irgendwann tatsächlich extreme

Schwierigkeiten, die Kosten zu decken.

Kaspar Visser: Ja, hast du in den letzten Jahren oder in der

letzten Zeit auch eine Zunahme der Menschen

gesehen und festgestellt, die Hilfe brauchen?

Speaker B: Also jetzt Kriegsbeginn, Iran und höhere

Energiekosten haben wir jetzt bei uns noch nicht

wahrgenommen, dass wir dadurch mehr Anrufe haben,

was aber definitiv der Fall ist. Dadurch, dass die

Lebensmittelpreise schon seit 23 so stark

gestiegen. Sind, haben wir insgesamt viel, viel

mehr Menschen, die nach unserer Leistung fragen.

Und das ist leider auch so, dass ungefähr 80

Prozent von unserem Netzwerk schon einen

Aufnahmestopp haben, dass wir da also keine neuen

Kunden mehr aufnehmen können oder neue Gäste, die

unsere Hilfe brauchen, sondern dass wir eben

unsere Ressourcen dazu benötigen, die Menschen,

die schon mit uns rechnen, immer noch in der

gleichen Form unterstützen zu können. Also wir

müssen den Menschen nicht weniger geben als

vorher, aber wir können auch keine neuen Menschen

aufnehmen. Das ist schon schwierig zurzeit.

Kaspar Visser: Die Nachfrage für Tafeln wird durch die unstabile

Weltordnung nicht geringer werden. Durch ihre

aktive Arbeit leisten die Mitglieder innen einen

wichtigen Beitrag, um bedrohten Menschen zu

helfen. Zum Schluss wollte Jan noch etwas dazu

Speaker B: Egal in welchem Land auf der Welt, oft warten die

Menschen darauf, dass quasi der Staat etwas tut.

Das ist ein sehr langsames System. Ich appelliere

an die Vernunft des Menschen und dass wir als

Bürger, egal ob in Australien, in Hamburg oder

sonst wo immer in der Lage sind, uns auch

gegenseitig zu helfen, mit einer Spende, mit

deiner Lebenszeit, die du einbringst und und und.

Man soll ruhig mal mutig sein und anderen helfen,

ohne was dafür zu verlangen, weil das einfach

riesen viel Spaß macht und wir unsere Gesellschaft

damit ein Stück besser machen.

Kaspar Visser: Anfang März haben sich die CDU und SPD auf die

Einrichtung einer gemeinsamen Taskforce geeinigt,

um die gestiegenen Spritkosten zu analysieren.

Einige Politiker innen der beiden Parteien möchten

damit auch eine potenziell unbegründete

Preisgestaltung untersuchen. Bisher hat sich die

Task Force nur auf die Energiekosten konzentriert,

aber jetzt wird sie sich auch den

Lebensmittelkosten widmen. Sie reagieren mit

Aktionen, aber wir müssen abwarten, um zu sehen,

wie sich auf die am meisten gefährdeten Personen

auswirkt. In dieser Zeit werden die Tafeln sowohl

in Hamburg als auch in ganz Deutschland und

Australien weiterarbeiten. Vielen Dank an Jan

Henrik Hellweger bei der Hamburger Tafel. Weitere

Informationen finden Sie auf Instagram und

Facebook unter SBS German. Mein Name ist Kaspar

Wisser, der Korrespondent vor Ort in Deutschland.

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