Ursula von der Leyen kritisiert auch "falsch verstandenen Korpsgeist", der es zulässt, dass in manchen Kasernen die verblichene Wehrmacht des Dritten Reichs noch immer glorifiziert wird.
Doch ist das wirklich nur ein Problem der Bundeswehr? Die deutsche Öffentlichkeit selbst tut sich schwer mit dem Gedenken an die Männer des 20. Juli 1944, die versucht hatten, Hitler zu beseitigen.
Trotz offizieller Bekundungen, ist dieser Schicksalstag nicht in die kollektive Erinnerung eingegangen und spielt beim größten Teil der bundesrepublikanischen Bevölkerung entweder keine Rolle, oder wird sogar abgelehnt.
Statt Anerkennung, dass die Offiziere ihr Leben gaben, um Deutschland von seinem größten Übel zu befreien, wird an den Motiven des Putsches gemäkelt. Die Beteiligten sein angeblich nicht demokratisch genug, zu preußisch, zu adelig, zu spät und zu zögerlich gewesen.
Bei dem Historiker Hans Mommsen, dem wir die wohl beste Darstellung des politischen Denkens der Widerständler verdanken, heißt es: „Es waren nicht die Demokraten, noch die unterdrückten politischen Parteien der Weimarer Republik, noch die offiziellen Kirchen, die versuchten, Deutschland gegen Hitler zu verteidigen und die politische, militärische und über allem die moralische Katastrophe zu verhindern, welche der ungehinderte Exzess der letzten Jahre des Nationalsozialismus mit sich bringen würde. Nein, diejenigen, die die Entscheidung trafen, eine Rebellion zu wagen, unter unaussprechbar schwierigen Umständen und letztlich in der Kenntnis, dass ihre Aussichten hoffnungslos wären, diese Männer waren in vieler Hinsicht Außenseiter und, nach dem 20. Juli, aus der Gemeinschaft der nationalen Solidarität Ausgestoßene.“
Und daran hat sich nichts geändert, wenn in einem knappen Monat der 73. Jahrestag des Hitler-Attentats ansteht.
