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The colorful world of allotment gardens

Bunte Gärten 3.jpg

Allotment gardens "Bunte Gärten" in Leipzig. Credit: Kaspar Visser

Allotments are an integral part of German culture. Our correspondent in Germany, Kaspar Visser, took a closer look at the gardens, their cultural meaning and history.


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Kaspar Visser: Kleingarten, Schrebegarten oder Parzelle. Egal

unter welchem Namen, sind diese Kleingartenanlagen

überall in deutschen Städten zu finden. Das

Konzept, beschrieben in offiziellem

Bundeskleingartengesetz, ist ein nicht

erwerbsmässiger Kleingarten, der in einer Anlage

von mehreren zusammengefassten einzelnen Gärten

liegt, der eigene Kleingarten als Teil der

Kleingartenanlage. Obwohl die Geschichte der

Kleingärten im Jahr 1814 in Kappel an. Der Schlei

mit Gärten auf Kirchenland begann, nahmen sie erst

1864 in Leipzig ihre heute bekannte Form an. Der

erste Schreberverein, benannt nach dem Arzt und

Orthopädin Moritz Schreber, war ursprünglich als

Kinderspielplatz gedacht, entwickelte sich aber

schnell zu einem Schrebergarten mit Parzellen.

Diese Gärten sind zu einem festen Bestandteil der

deutschen Kultur geworden und inzwischen gibt es

Schrebergartenvereine mit mit knapp individuellen

Parzellen. Aber in den letzten Jahrzehnten haben

sie sich auch einen bestimmten Ruf erarbeitet. Die

spiesige Schrebegartenmentalität ist ein

klassischer Stereotyp. Aber in den Medien wurde

auch das Thema Rassismus und Diskriminierung in

Kleingärten bereits mehrmals aufgegriffen. Doch

ist dieser Ruf gerechtfertigt? Gibt es

Veränderungen in der Schrebegartenkultur und

welche Rolle können diese Gärten in der modernen

deutschen Gesellschaft spielen? diese Fragen zu

beantworten, habe ich mit Dr. Nina Schuster

gesprochen. Als Soziologen und Postdoc an der

Technischen Universität Dortmund hat Dr. Schuster

ein Forschungsprojekt zum Titel Grüne

Öffentlichkeit über Kleingärten veröffentlicht. Im

Interview erklärt sie mir, welche

unterschiedlichen Rollen Kleingärten in der

Gesellschaft gespielt haben und in welche Richtung

es jetzt geht.

Dr. Nina Schuster: Viele Gärtnerinnen und Gärtner sind so über 50

zwischen 50 und 70 Jahren. Aber die Sozialstruktur

in den Kleingärten hat sich ein bisschen

verändert. Also nicht nur in Bezug auf das Alter

es ist kommen jetzt wieder mehr junge Familien in

die Vereine, sondern es kommen auch inzwischen

mehr Leute, die auch einen akademischen

Hintergrund haben. Also Kleingärten sind schon

lange nicht mehr subsistenzsichernd. Also es geht

schon lange nicht mehr darum, dass Leute eben eine

Parzelle bewirtschaften müssen, genug zu essen zu

haben. Diese Funktion haben sie schon lange

verloren. Also in der DDR Zeit. In Ostdeutschland

gab es diese Funktion noch bis zum Ende der DDR,

weil Lebensmittel dort eben knapper waren. Aber in

Westdeutschland hat schon seit den er Jahren der

Kleingarten diese Freizeitfunktion.

Kaspar Visser: Vorwiegend durch diese Freizeitfunktion sind viele

neue Leute Kleingartenbesitzer innen geworden. Im

Zuge der Gentrifizierung vieler Städte haben sich

Menschen aus der Mittelschicht für Kleingärten

interessiert, aber auch jüngere Leute und

Migrantinnen gehören inzwischen dazu. Nun ändert

sich Die Demografie der Kleingärtner innen, wobei

auch einzelne Personen, Freunde oder WGs als

Mitglieder akzeptiert werden. Aber nicht alle

nehmen diese Änderungen positiv an. In ihrer

Forschung hat Dr. Schuster auch Diskriminierung

festgestellt, wobei Menschen mit

Migrationshintergrund ausgegrenzt werden.

Dr. Nina Schuster: Also ich glaube schon, dass es auch Vorurteile

gibt. Ich habe allerdings nicht mit vielen

Zugewanderten sprechen können. Ich habe aber

durchaus von rassistischen Vorkommnissen in dem

einen oder anderen Verein gehört, von Vorurteilen

den Leuten mit Zuwanderungsgeschichte, gerade mit

muslimischem Hintergrund gegenüber auch mit

russischem Hintergrund. Da gibt es eben auch

Vorurteile verbreitet, aber auch gegenüber

Menschen mit türkischem Hintergrund, Menschen aus

Syrien, denen wird irgendwie unterstellt, dass sie

eine andere Kultur haben, dass sie sich nicht

genug anpassen und so weiter. Die

Kleingartenkultur ist schon, glaube ich, sehr

lange durch Migrantinnen und Migranten geprägt.

Ja, nicht alle wollen das so, oder Manche haben da

eben Vorteile, aber andere eben auch nicht. Also

es gibt viele Vereine, die, glaube ich, gar nicht

merken, wie divers sie bereits aufgestellt sind,

weil viele Leute dabei sind, denen man das nicht

mal mehr sprachlichen Akzent anmerkt oder die so

gut integriert oder auch assimiliert sind, dass

sie längst Teil dieser Vereinskultur eben auch

dann sind. Und nur einzelne werden dann manchmal

so herausgehoben.

Kaspar Visser: Trotz dieser schlimmen Fälle ist Dr. Schuster der

Meinung, dass Kleingärten auch eine positive

Wirkung auf die Gesellschaft haben können. Als

Mitglied nimmt man auch an größeren Projekten

durch verpflichtende Vereinsstunden und

gemeinschaftlichen Feiern teil. Dadurch hat man

laut Dr. Schuster die Möglichkeit, auch Leute

kennenzulernen, mit denen man sonst gar keinen

Kontakt hätte. Ein Verein, der diese Mentalität

teilt, ist der Bunte Garten Leipzig.

Barbara: Wir sind hier in den Bunten Gärten

Gemeinschaftsgarten im Leipziger Osten und jetzt

im Winter ist natürlich nicht viel. Die ersten

Schneeglöckchen kommen und unser Wintersalat, der

Portulak ist im Gewächshaus.

Kaspar Visser: Barbara ist seit mehreren Jahren Mitglied bei dem

Bunten Garten Leipzig. Der Gemeinschaftsgarten

befindet sich auf einem 1000 Quadratmeter großen

Platz. Innerhalb des Kleingartenvereins

Angerkrottendorf. Sozusagen ein Verein im Verein.

Und seit der Gründung im Jahr 2016 gibt es

bestimmte Werte, nach denen der Verein lebt.

Barbara: Der ursprüngliche Gedanke war, im Zuge von der

großen Flüchtlingsbewegung 2015 den Leuten, die

nach Deutschland gekommen sind, einen Ort

anzubieten, wo sie zusammensitzen können, wo man

sich unkompliziert kennenlernen kann, zusammen

einen Kaffee trinken kann, zusammen Deutsch

sprechen kann, aber auch zusammen gärtnern kann,

weil wir festgestellt haben, dass viele Leute so

das Grün vermissen und einen Ort, wo sie halt im

Grün sind, wo sie arbeiten können und wo sie auch

selber was anbauen können. Einfach der

Gemeinschaftsgedanke ist uns sehr wichtig, dass

jeder herkommen kann, dass alle mitmachen können,

ganz niedrigschwellig. Die Mitglieder sind ganz

bunt gemischt, von der Studentin bis zur Rentnerin

sind alle vertreten. Viele kommen aus Leipzig. Wir

haben aber auch venezolanische Menschen hier im

Garten, Leute aus dem Iran, aber vor allen Dingen,

sie wohnen alle in Leipzig.

Kaspar Visser: Zu der Frage, ob Kleingärten in Deutschland einen

konservativen Ruf haben, hat Barbara auch

Änderungen seit ihrem Anfang beim Bunten Garten

beobachtet.

Barbara: Ich glaube, dass sich in den letzten 10 Jahren

auch viel getan hat in der Schrebergartenkultur.

Ich glaube, sie wird gar nicht mehr als so

konservativ gesehen. Es sind viele junge Leute

hier, viele junge Familien. Also ich kann jetzt

nur für unseren Kleingartenverein sprechen,

beziehungsweise für Leipzig. Ich glaube, da hat

sich viel getan. Auch durch Corona hat sich viel

getan. Die Leute wollten dann raus, wollten einen

eigenen Garten und hier war vor zehn Jahren noch

viel Leerstand und jetzt ist, glaube ich, gar

nichts mehr frei. Es ist alles weg. Viele junge

Leute sind dazugekommen und das ist schön. Also es

hilft uns natürlich auch, weil dann sozusagen der

ganze Kleingarten irgendwie belebt ist.

Kaspar Visser: Auch die Idee, dass Kleingärten Menschen

unterschiedliche Hintergründe zusammenbringen

können, scheint beim Bunten Garten Realität zu

sein. Die Schilder mit den Namen jeder Pflanze und

die Geschichten von den unterschiedlichen

Workshops zeigen, dass es ein Ort für das

Voneinanderlernen ist. Vor allem fördert es den

Dialog und das Verständnis zwischen den

Generationen.

Barbara: Wir haben zum Beispiel eine ältere Dame, die

regelmäßig kommt. Die hatte früher noch einen

eigenen Garten mit ihrem Mann, aber ist jetzt auch

zu alt, den Garten alleine zu bewirtschaften und

hatte uns dann angerufen und gefragt, ob sie

vorbeikommen kann und ist jetzt hier ganz aktiv,

fühlt sich super wohl auch in der Gemeinschaft

einfach. Ich glaube, die Bunten Gärten sind ein

schönes Beispiel dafür, wie Gemeinschaft sein

kann, wie man zusammen gärtnert, zusammen

zusammensitzt, einfach zusammen ist und nicht

alleine.

Kaspar Visser: Obwohl es sich einen Einzelfall handelt, zeigt der

Bunte Garten Leipzig möglicherweise eine

Entwicklung der Schrebergartenkultur in

Deutschland. Grüne Orte in Städten sind wichtig.

Für viele Menschen, die in Wohnungen leben, ist es

attraktiv geworden, in der Natur zu sein und eine

Pause von der digitalen Welt zu finden. Egal ob WG

Gruppen oder Freundeskreise, das traditionelle

Vorbild von Schrebergärten wird neu gedacht.

Vielleicht werden wir in Zukunft mehr

Schrebergärten sehen oder andere Formen wie

Gemeinschaftsgärten werden sich weiter verbreiten.

Danke an Dr. Niene Schuster an der Technischen

Universität Dortmund und Barbara bei Buntegarten

Leipzig für ihre Hilfe bei der Sendung. Weitere

Informationen finden Sie auf Instagram und

Facebook unter SBS german. Mein Name ist Kasper

Wisser, der Korrespondent vor Ort in Deutschland.

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