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Europa und Australien rücken zusammen: Mehr als ein Handelsabkommen

URSULA VON DER LEYEN AUSTRALIA VISIT

President of the European Commission Ursula von der Leyen is greeted by Australian Prime Minister Anthony Albanese during a visit to Australia. Source: AAP / Lukas Coch

Das neue Abkommen zwischen der Europäischen Union und Australien markiert einen wichtigen Schritt hin zu einer vertieften Partnerschaft in unsicheren geopolitischen Zeiten. Im Gespräch erklärt die deutsche Botschafterin Beate Grzeski, warum es dabei nicht nur um Handel geht und welche neuen Chancen sich daraus ergeben für große und mittelständische deutsche Unternehmen.


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Die deutsche Botschafterin in Australien, Beate Grzeski.

Disclaimer: Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass die in diesem Beitrag geäußerten Meinungen die persönlichen Ansichten der interviewten Person/des Gesprächspartners darstellen.

Benjamin Kanthak: Sie hören SBS German. Bei mir ist jetzt Ihre

Exzellenz, die deutsche Botschafterin Beate

Grzeski aus Canberra. Vielen, vielen Dank, dass

Sie sich die Zeit nehmen, mit uns zu sprechen.

Beate Grzeski: Ja, sehr gerne. Vielen Dank. Ich freue mich auch

mal wieder mit Ihnen mich zu unterhalten mit SBS

Deutschland.

Benjamin Kanthak: Das ist ja wirklich eine Riesensache. Wie wichtig

ist, ist dieses Abkommen aus europäischer Sicht im

aktuellen geopolitischen Umfeld?

Beate Grzeski: Ja, es ist ein großartiger Erfolg, der jetzt seit

2018 sozusagen in the making war. Lange

Verhandlungen. Man hat sich jetzt geeinigt über

ein Paket, das also sowohl einen Handelsteil

beinhaltet, aber auch einen Sicherheits und

Verteidigungsteil als zweites Element. Und das

dritte Element auch sehr wichtig ist, die Forscher

zusammenzubringen, indem Australien jetzt sich

bereit erklärt hat mitzumachen bei dem großen

Forschungsprogramm Horizon Europe. Da sind

insgesamt 90 Milliarden Euro drin. Das heißt, wenn

deutsche australische Forscher sich

zusammenschließen, können sie auch gefördert

werden. Und das finde ich ist auch ein sehr, sehr

gutes Ergebnis bei diesem Besuch von

Kommissionspräsidentin von der Leyen.

Benjamin Kanthak: Ja, das hatte sie ja auch sehr, sehr schön

dargestellt, diese drei Punkte, dass es nicht nur

wirklich allein diesen Handel geht, sondern viel,

viel mehr geht es hier vielleicht auch mehr eine

wirkliche Wertepartnerschaft als nur

wirtschaftliche Vorteile.

Beate Grzeski: Sicherlich ist es so, dass Australien und Europa

verbunden sind, auch als like, wie es so schön

heißt, like minded partner, die eben demokratische

Werte hochhalten und auch das internationale

Recht. Also obwohl die Distanz sehr, sehr groß

ist, das Kommissionspräsidenten von der Leyen

heute im Parlament auch noch mal gesagt Haben wir

aber doch die gleichen Herausforderungen. Sie

nannte das also von Perth bis Paris. Die

Herausforderungen sind dieselben. Und ich glaube,

es ist jetzt gerade ein Zeichen wichtig, dass man

sagt, OK, das Bekenntnis zur Zusammenarbeit von

Partnern, gerade in Zeiten, wo es eher disruptive

Kräfte gibt und man denkt jedes Land für sich

allein und nur noch national Interessen zählen zu

Nein, wir gehören zusammen und gemeinsam sind wir

auch stärker. Ich glaube, das ist auch ein sehr,

sehr wichtiges Signal, das von dieser Vereinbarung

Benjamin Kanthak: ausgeht, natürlich als eine der stärksten Säulen

des europäischen Projekts und der Europäischen

Union. Deutschland als Exportnation ist natürlich

jetzt auch dieses Abkommen unfassbar bedeutend für

Deutschland, nicht nur für die gesamte EU, sondern

auch vor allem für Deutschland. Welche Chancen

ergeben sich Ihrer Meinung nach

Beate Grzeski: für deutsche Unternehmen daraus, wenn wir über den

Handelsteil sprechen. Und wir haben ja jetzt hier

die politische Einigung zwischen Premierminister

Albanisi und Kommissionspräsident von der Leyen

erlebt. Nochmal kurzer Die Kommission ist hier

auch zuständig. Das heißt, es ist eine

Zuständigkeit der Europäischen Union. Die

verhandeln das auch selbstständig. Das ist schon

ein wichtiges Element auch für die deutschen

Unternehmen. Ich nenne jetzt mal am

allerwichtigsten auch die deutschen Autobauer im

hohen Preissegment unterwegs sind. Und da gibt es

eben Vorteile. Da gibt es eben Vorteile dafür,

dass diese Luxussteuer, die 33 Prozent bedeutet,

jetzt für Elektroautos erleichtert wird. Das

heißt, die Zollsätze sind für Elektroautos

geringer, weil die Grenzwerte sich erhöhen. Damit

fallen weniger Autos unter diese Steuer. Und das

ist gut für die Deutschen, die ja doch meistens im

höheren Preissegment unterwegs sind.

Benjamin Kanthak: Verstehe. Ein anderes Themenfeld sind natürlich

dann auch Bereiche wie zum Beispiel der

Maschinenbau oder die Chemie, wichtige

Wirtschaftszweige in Deutschland. Vor allem ist

Australien für den deutschen Mittelstand ein

unterschätzter Markt Ihrer Meinung nach.

Beate Grzeski: Ich glaube, dass die deutschen Unternehmen

vielleicht aufgrund der langen Distanz sich etwas

scheuen, der relativ hohen Kostenstruktur hier in

Australien wirklich dann auch mit Investitionen

und Produktion herzukommen. Aber die vielen

hundert Unternehmen, die hier laut AHK doch

erfolgreich unterwegs sind, zeigen ja auch, dass

es eben Chancen gibt im australischen Markt, dass

unsere Technologie sehr geschätzt wird, dass wir

eben Angebote machen können, gerade auch, ich sage

jetzt mal, im Minensektor, wo wir in speziellen

spezialisierten Bereichen Lösungen bieten, die

andere nicht bieten können und wo dann eben der

Preis, der höhere Preis dann auch gezahlt wird.

Also der deutsche Mittelstand, das ist ja der

Rückhalt der deutschen Wirtschaft, der, habe ich

den Eindruck, hat doch auch einen Stellenwert hier

in Australien. Der wird durchaus davon

profitieren, dass Steuern sich verniedrigen bzw.

Die Zölle.

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Benjamin Kanthak: Einer der größten Knackpunkte dieses Abkommens

über die letzten acht Jahre hat man das auch immer

wieder gemerkt, war ja der Agrarsektor. Wie

sensibel ist das Thema Landwirtschaft in Europa

wirklich.

Beate Grzeski: Es gibt ja einige Länder, die besonders stark sind

im Landwirtschaftsbereich und bei denen auch der

Agrarsektor Sektor eine hohe emotionale Bedeutung

hat. Das ist so in, ich glaube in Frankreich, das

ist so in Irland, aber auch durchaus in

Deutschland. Ein zahlenmäßig kleinerer Sektor ist

heutzutage aber doch sehr, sehr wichtig, weil er

die Ernährung sicherstellt für die Bevölkerung und

damit ist es halt mehr als eine reine Technik. Ich

denke, das erklärt auch, warum gerade diese Dinge

sehr sensibel sind. Sie sind es auch in

Australien, denn auch die Farm Lobby in Australien

ist. Ja auch durchaus Einfluss. Und die Tatsache,

dass es auch vielleicht so durchaus lange gedauert

hat, liegt auch daran, dass die Bauernverbände

beider Seiten eben da sehr genau hingeschaut

haben, was es für sie bedeutet, wenn sich die

Regeln ändern.

Benjamin Kanthak: Parallel zum Handelsstil ging es ja auch um

Kooperation bei Sicherheit, Cyber und

Verteidigung. Der deutsche Verteidigungsminister

Boris Pistorius ist diese Woche zu Gast hier in

Australien. Warum wird Handel Ihrer Einschätzung

nach mit Sicherheitsfragen so verknüpft, wie es

heute auch ganz klar sichtbar war?

Beate Grzeski: Also ich denke, zunächst ist es zu trennen. Das

Klassische, was die Europäische Union aushandelt,

sind Handelsabkommen. Und dann ist es so, dass

jetzt in den letzten Jahren verstärkt auch das

Thema Sicherheit nach vorne kam und viele mit

einigen Ländern auch diese Vereinbarung getroffen

wurden. Das war Kanada zuletzt, es ist aber auch

Korea. Das ist natürlich auch dem geschuldet, dass

das international Umfeld rauer wird und dass die

Europäische Union mehr als bisher auch auf

Verteidigung und auch auf den Verteidigungssektor

schaut und eben diese Aufrüstung Europas zur

Abschreckung ernster nimmt und die Europäische

Union da auch eine Rolle für sich sieht. Aber ich

denke nicht, dass wir jetzt von einer wirklichen

Verknüpfung sprechen, sondern man hat versucht

jetzt ein Paket zu schnüren, das attraktiv ist und

zukunftsweisend für die Beziehungen Europas und

Australiens. Das ist eben Handel, Sicherheit und

auch Bildung und Forschung, also nach vorne

gerichtete Dinge.

Benjamin Kanthak: Ja, ich verstehe jetzt noch mal zurück mit dem

Blick auf die aktuelle geopolitische Situation ist

jetzt auch dieses Abkommen ein Beginn einer

tieferen strategischen Allianz, die ja auch sehr,

sehr wichtig ist für Deutschland.

Beate Grzeski: Wir haben ja gerade im sicherheits militärischen

Bereich bereits eine enge Zusammenarbeit mit

Australien. Das ist einer der aktivsten Bereiche.

Wir haben hier einen Militärattachéstab und wir

haben ja auch Rüstungsindustrieprojekte. Sie

kennen sicher und die Hörerinnen kennen sicher

auch Rheinmetall in Brisbane, wo also

Schützenpanzer hergestellt werden, sowohl für

Deutschland als auch für Australien. Also das ist

schon ein Bereich, in dem die Deutschland und

Australien sehr aktiv zusammenarbeiten in der

Industrie, aber auch militärisch, Teilnahme an

gemeinsamen Übungen, Pitch Black ein Beispiel

genannt, was jetzt dieses Jahr wieder stattfinden

wird in Darwin. Also das ist ein absoluter

Pluspunkt, ein Bereich, in dem sehr viel passiert.

Benjamin Kanthak: Wie wichtig ist die EU für Australien auch vor

allem als Gegengewicht zu China, dem

Haupthandelspartner, dem größten Handelspartner

Australiens.

Beate Grzeski: Es geht, glaube ich, jetzt durchaus darum, dass

man diversifiziert und das hat ja sowohl der

Premierminister Albanisi heute im Parlament, als

er die Präsidentin begrüßt hat, gesagt, als auch

was von der Leyen gesagt hat. Also to get China

right ist jetzt eine Aufgabe, so hat sie gesagt,

die für uns sich für beide stellt. China mit

seinen Überkapazitäten und dem Exportdruck, den es

ausübt, das ist etwas, was man mit Sorge sieht.

Man will dann eben sehen, dass man nicht zu

abhängig wird von China oder Abhängigkeiten

reduziert. Von der Leyen hat er das Beispiel auch

gebracht, dass wir in Europa sehr genau wissen,

was es heißt, zu abhängig zu sein. Sie hat die

Abhängigkeit von Russland bei der

Energieversorgung in 2022 genannt und wie

schmerzhaft es war, sich davon zu trennen. Also

das Gebot der Stunde, das beide nannten, war eben

die Diversifizierung. Und da sind eben Australien

und Europa, glaube ich, haben noch Potenzial, was

sie mehr miteinander tun können

Benjamin Kanthak: in diesen etwas sehr unsicheren Zeiten. Aktuell.

Geopolitisch gesehen ist dieses Abkommen auch ein

Modell für weitere zukünftige Handelsdeals. Ursula

von der Leyen hat ja auch erklärt, dass es ja

nicht nur dieses Handelsabkommen gibt, sondern

gerade in den letzten Monaten die Aktivitäten

jetzt auf EU Ebene sehr hochgefahren wurden. Auch

Deutschland bemüht sich ja auch. Wie sehen Sie es?

Ist das ein Modell für weitere zukünftige Deals?

Beate Grzeski: Ich glaube, dass, wie ich eben auch schon sagte,

Europa den Ehrgeiz hat, mehr zusammenzustehen und

mehr eine geopolitische Rolle zu spielen über das

hinaus, was es traditionell gemacht hat, nämlich

im Handel, unter Investitionen zusammen

zusammenzuarbeiten, sondern dass man auch im

Sicherheits und Verteidigungsbereich mehr tut. Die

Tatsache, dass auch Australien jetzt dazugehört zu

diesem Bereich, wo Sicherheits und

Verteidigungspartnerschaften stattfinden, ist

glaube ich, ein gutes Zeichen, denn Australien ist

dann oft aufgrund der geografischen Distanz

vielleicht auf dem Radar, aber man schaut nicht

immer hin. Und ich glaube, das ist dann doch auch

eine gute Gelegenheit, dass man jetzt auch mehr

auch hinschaut auf das Potenzial, Potenzial und

die Möglichkeiten Australiens, gerade hier in der

sehr wichtigen Pazifikregion, denn dafür steht

Australien ja auch. Australien erinnert uns immer

wieder daran, dass der Indopazifik eine

strategisch extrem wichtige Bedeutung hat und dass

wir das auch berücksichtigen. Wir sind dankbar,

dass Australien der größte Nicht EU Nicht NATO

Geber ist für Ukraine und dass eben beide Ukraine

und Nahe Mittelost gesehen werden und Indo Pazifik

als Gegenden, wo man sehr aufmerksam sein muss und

wo man zusammenarbeiten muss.

Benjamin Kanthak: Eine wichtige Partnerschaft für die EU und damit

natürlich auch für Deutschland. Ihre Exzellenz

Botschafterin Grzecski, ich danke Ihnen vielmals

für Ihre Zeit.

Beate Grzeski: Vielen Dank für das Gespräch. Es hat mir große

Freude gemacht und beste Grüße auch an Ihre

Hörerinnen und Hörer.

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