Benjamin Kanthak: Sie hören SBS German. Bei mir ist jetzt Ihre
Exzellenz, die deutsche Botschafterin Beate
Grzeski aus Canberra. Vielen, vielen Dank, dass
Sie sich die Zeit nehmen, mit uns zu sprechen.
Beate Grzeski: Ja, sehr gerne. Vielen Dank. Ich freue mich auch
mal wieder mit Ihnen mich zu unterhalten mit SBS
Benjamin Kanthak: Das ist ja wirklich eine Riesensache. Wie wichtig
ist, ist dieses Abkommen aus europäischer Sicht im
aktuellen geopolitischen Umfeld?
Beate Grzeski: Ja, es ist ein großartiger Erfolg, der jetzt seit
2018 sozusagen in the making war. Lange
Verhandlungen. Man hat sich jetzt geeinigt über
ein Paket, das also sowohl einen Handelsteil
beinhaltet, aber auch einen Sicherheits und
Verteidigungsteil als zweites Element. Und das
dritte Element auch sehr wichtig ist, die Forscher
zusammenzubringen, indem Australien jetzt sich
bereit erklärt hat mitzumachen bei dem großen
Forschungsprogramm Horizon Europe. Da sind
insgesamt 90 Milliarden Euro drin. Das heißt, wenn
deutsche australische Forscher sich
zusammenschließen, können sie auch gefördert
werden. Und das finde ich ist auch ein sehr, sehr
gutes Ergebnis bei diesem Besuch von
Kommissionspräsidentin von der Leyen.
Benjamin Kanthak: Ja, das hatte sie ja auch sehr, sehr schön
dargestellt, diese drei Punkte, dass es nicht nur
wirklich allein diesen Handel geht, sondern viel,
viel mehr geht es hier vielleicht auch mehr eine
wirkliche Wertepartnerschaft als nur
wirtschaftliche Vorteile.
Beate Grzeski: Sicherlich ist es so, dass Australien und Europa
verbunden sind, auch als like, wie es so schön
heißt, like minded partner, die eben demokratische
Werte hochhalten und auch das internationale
Recht. Also obwohl die Distanz sehr, sehr groß
ist, das Kommissionspräsidenten von der Leyen
heute im Parlament auch noch mal gesagt Haben wir
aber doch die gleichen Herausforderungen. Sie
nannte das also von Perth bis Paris. Die
Herausforderungen sind dieselben. Und ich glaube,
es ist jetzt gerade ein Zeichen wichtig, dass man
sagt, OK, das Bekenntnis zur Zusammenarbeit von
Partnern, gerade in Zeiten, wo es eher disruptive
Kräfte gibt und man denkt jedes Land für sich
allein und nur noch national Interessen zählen zu
Nein, wir gehören zusammen und gemeinsam sind wir
auch stärker. Ich glaube, das ist auch ein sehr,
sehr wichtiges Signal, das von dieser Vereinbarung
Benjamin Kanthak: ausgeht, natürlich als eine der stärksten Säulen
des europäischen Projekts und der Europäischen
Union. Deutschland als Exportnation ist natürlich
jetzt auch dieses Abkommen unfassbar bedeutend für
Deutschland, nicht nur für die gesamte EU, sondern
auch vor allem für Deutschland. Welche Chancen
ergeben sich Ihrer Meinung nach
Beate Grzeski: für deutsche Unternehmen daraus, wenn wir über den
Handelsteil sprechen. Und wir haben ja jetzt hier
die politische Einigung zwischen Premierminister
Albanisi und Kommissionspräsident von der Leyen
erlebt. Nochmal kurzer Die Kommission ist hier
auch zuständig. Das heißt, es ist eine
Zuständigkeit der Europäischen Union. Die
verhandeln das auch selbstständig. Das ist schon
ein wichtiges Element auch für die deutschen
Unternehmen. Ich nenne jetzt mal am
allerwichtigsten auch die deutschen Autobauer im
hohen Preissegment unterwegs sind. Und da gibt es
eben Vorteile. Da gibt es eben Vorteile dafür,
dass diese Luxussteuer, die 33 Prozent bedeutet,
jetzt für Elektroautos erleichtert wird. Das
heißt, die Zollsätze sind für Elektroautos
geringer, weil die Grenzwerte sich erhöhen. Damit
fallen weniger Autos unter diese Steuer. Und das
ist gut für die Deutschen, die ja doch meistens im
höheren Preissegment unterwegs sind.
Benjamin Kanthak: Verstehe. Ein anderes Themenfeld sind natürlich
dann auch Bereiche wie zum Beispiel der
Maschinenbau oder die Chemie, wichtige
Wirtschaftszweige in Deutschland. Vor allem ist
Australien für den deutschen Mittelstand ein
unterschätzter Markt Ihrer Meinung nach.
Beate Grzeski: Ich glaube, dass die deutschen Unternehmen
vielleicht aufgrund der langen Distanz sich etwas
scheuen, der relativ hohen Kostenstruktur hier in
Australien wirklich dann auch mit Investitionen
und Produktion herzukommen. Aber die vielen
hundert Unternehmen, die hier laut AHK doch
erfolgreich unterwegs sind, zeigen ja auch, dass
es eben Chancen gibt im australischen Markt, dass
unsere Technologie sehr geschätzt wird, dass wir
eben Angebote machen können, gerade auch, ich sage
jetzt mal, im Minensektor, wo wir in speziellen
spezialisierten Bereichen Lösungen bieten, die
andere nicht bieten können und wo dann eben der
Preis, der höhere Preis dann auch gezahlt wird.
Also der deutsche Mittelstand, das ist ja der
Rückhalt der deutschen Wirtschaft, der, habe ich
den Eindruck, hat doch auch einen Stellenwert hier
in Australien. Der wird durchaus davon
profitieren, dass Steuern sich verniedrigen bzw.
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Benjamin Kanthak: Einer der größten Knackpunkte dieses Abkommens
über die letzten acht Jahre hat man das auch immer
wieder gemerkt, war ja der Agrarsektor. Wie
sensibel ist das Thema Landwirtschaft in Europa
Beate Grzeski: Es gibt ja einige Länder, die besonders stark sind
im Landwirtschaftsbereich und bei denen auch der
Agrarsektor Sektor eine hohe emotionale Bedeutung
hat. Das ist so in, ich glaube in Frankreich, das
ist so in Irland, aber auch durchaus in
Deutschland. Ein zahlenmäßig kleinerer Sektor ist
heutzutage aber doch sehr, sehr wichtig, weil er
die Ernährung sicherstellt für die Bevölkerung und
damit ist es halt mehr als eine reine Technik. Ich
denke, das erklärt auch, warum gerade diese Dinge
sehr sensibel sind. Sie sind es auch in
Australien, denn auch die Farm Lobby in Australien
ist. Ja auch durchaus Einfluss. Und die Tatsache,
dass es auch vielleicht so durchaus lange gedauert
hat, liegt auch daran, dass die Bauernverbände
beider Seiten eben da sehr genau hingeschaut
haben, was es für sie bedeutet, wenn sich die
Benjamin Kanthak: Parallel zum Handelsstil ging es ja auch um
Kooperation bei Sicherheit, Cyber und
Verteidigung. Der deutsche Verteidigungsminister
Boris Pistorius ist diese Woche zu Gast hier in
Australien. Warum wird Handel Ihrer Einschätzung
nach mit Sicherheitsfragen so verknüpft, wie es
heute auch ganz klar sichtbar war?
Beate Grzeski: Also ich denke, zunächst ist es zu trennen. Das
Klassische, was die Europäische Union aushandelt,
sind Handelsabkommen. Und dann ist es so, dass
jetzt in den letzten Jahren verstärkt auch das
Thema Sicherheit nach vorne kam und viele mit
einigen Ländern auch diese Vereinbarung getroffen
wurden. Das war Kanada zuletzt, es ist aber auch
Korea. Das ist natürlich auch dem geschuldet, dass
das international Umfeld rauer wird und dass die
Europäische Union mehr als bisher auch auf
Verteidigung und auch auf den Verteidigungssektor
schaut und eben diese Aufrüstung Europas zur
Abschreckung ernster nimmt und die Europäische
Union da auch eine Rolle für sich sieht. Aber ich
denke nicht, dass wir jetzt von einer wirklichen
Verknüpfung sprechen, sondern man hat versucht
jetzt ein Paket zu schnüren, das attraktiv ist und
zukunftsweisend für die Beziehungen Europas und
Australiens. Das ist eben Handel, Sicherheit und
auch Bildung und Forschung, also nach vorne
Benjamin Kanthak: Ja, ich verstehe jetzt noch mal zurück mit dem
Blick auf die aktuelle geopolitische Situation ist
jetzt auch dieses Abkommen ein Beginn einer
tieferen strategischen Allianz, die ja auch sehr,
sehr wichtig ist für Deutschland.
Beate Grzeski: Wir haben ja gerade im sicherheits militärischen
Bereich bereits eine enge Zusammenarbeit mit
Australien. Das ist einer der aktivsten Bereiche.
Wir haben hier einen Militärattachéstab und wir
haben ja auch Rüstungsindustrieprojekte. Sie
kennen sicher und die Hörerinnen kennen sicher
auch Rheinmetall in Brisbane, wo also
Schützenpanzer hergestellt werden, sowohl für
Deutschland als auch für Australien. Also das ist
schon ein Bereich, in dem die Deutschland und
Australien sehr aktiv zusammenarbeiten in der
Industrie, aber auch militärisch, Teilnahme an
gemeinsamen Übungen, Pitch Black ein Beispiel
genannt, was jetzt dieses Jahr wieder stattfinden
wird in Darwin. Also das ist ein absoluter
Pluspunkt, ein Bereich, in dem sehr viel passiert.
Benjamin Kanthak: Wie wichtig ist die EU für Australien auch vor
allem als Gegengewicht zu China, dem
Haupthandelspartner, dem größten Handelspartner
Beate Grzeski: Es geht, glaube ich, jetzt durchaus darum, dass
man diversifiziert und das hat ja sowohl der
Premierminister Albanisi heute im Parlament, als
er die Präsidentin begrüßt hat, gesagt, als auch
was von der Leyen gesagt hat. Also to get China
right ist jetzt eine Aufgabe, so hat sie gesagt,
die für uns sich für beide stellt. China mit
seinen Überkapazitäten und dem Exportdruck, den es
ausübt, das ist etwas, was man mit Sorge sieht.
Man will dann eben sehen, dass man nicht zu
abhängig wird von China oder Abhängigkeiten
reduziert. Von der Leyen hat er das Beispiel auch
gebracht, dass wir in Europa sehr genau wissen,
was es heißt, zu abhängig zu sein. Sie hat die
Abhängigkeit von Russland bei der
Energieversorgung in 2022 genannt und wie
schmerzhaft es war, sich davon zu trennen. Also
das Gebot der Stunde, das beide nannten, war eben
die Diversifizierung. Und da sind eben Australien
und Europa, glaube ich, haben noch Potenzial, was
sie mehr miteinander tun können
Benjamin Kanthak: in diesen etwas sehr unsicheren Zeiten. Aktuell.
Geopolitisch gesehen ist dieses Abkommen auch ein
Modell für weitere zukünftige Handelsdeals. Ursula
von der Leyen hat ja auch erklärt, dass es ja
nicht nur dieses Handelsabkommen gibt, sondern
gerade in den letzten Monaten die Aktivitäten
jetzt auf EU Ebene sehr hochgefahren wurden. Auch
Deutschland bemüht sich ja auch. Wie sehen Sie es?
Ist das ein Modell für weitere zukünftige Deals?
Beate Grzeski: Ich glaube, dass, wie ich eben auch schon sagte,
Europa den Ehrgeiz hat, mehr zusammenzustehen und
mehr eine geopolitische Rolle zu spielen über das
hinaus, was es traditionell gemacht hat, nämlich
im Handel, unter Investitionen zusammen
zusammenzuarbeiten, sondern dass man auch im
Sicherheits und Verteidigungsbereich mehr tut. Die
Tatsache, dass auch Australien jetzt dazugehört zu
diesem Bereich, wo Sicherheits und
Verteidigungspartnerschaften stattfinden, ist
glaube ich, ein gutes Zeichen, denn Australien ist
dann oft aufgrund der geografischen Distanz
vielleicht auf dem Radar, aber man schaut nicht
immer hin. Und ich glaube, das ist dann doch auch
eine gute Gelegenheit, dass man jetzt auch mehr
auch hinschaut auf das Potenzial, Potenzial und
die Möglichkeiten Australiens, gerade hier in der
sehr wichtigen Pazifikregion, denn dafür steht
Australien ja auch. Australien erinnert uns immer
wieder daran, dass der Indopazifik eine
strategisch extrem wichtige Bedeutung hat und dass
wir das auch berücksichtigen. Wir sind dankbar,
dass Australien der größte Nicht EU Nicht NATO
Geber ist für Ukraine und dass eben beide Ukraine
und Nahe Mittelost gesehen werden und Indo Pazifik
als Gegenden, wo man sehr aufmerksam sein muss und
wo man zusammenarbeiten muss.
Benjamin Kanthak: Eine wichtige Partnerschaft für die EU und damit
natürlich auch für Deutschland. Ihre Exzellenz
Botschafterin Grzecski, ich danke Ihnen vielmals
Beate Grzeski: Vielen Dank für das Gespräch. Es hat mir große
Freude gemacht und beste Grüße auch an Ihre
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