Gewalt in der Partnerschaft ist in Australien und auf der ganzen Welt ein ernstes und weit verbreitetes Problem.
In mehreren pazifischen Inselstaaten liegt der Anteil der Frauen, die im Laufe ihres Lebens Gewalt in einer Partnerschaft erfahren, laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei bis zu jeder zweiten Frau – und damit weltweit mit am höchsten.*
In Papua-Neuguinea (PNG) ist sie normalisiert. Papua-Neuguinea gehört zu den Ländern mit dem weltweit höchsten Risiko für häusliche Gewalt.Raphaela Baki-Kaore
In ihrer Heimat Papua-Neuguinea war Raphaela Baki-Kaore eine Spitzensportlerin.
Die ehemalige Leichtathletin und Rugby-Nationalspielerin wandte sich in ihren Zwanzigern dem Boxsport zu.
Doch trotz ihrer Kraft und Kontrolle im Boxring fühlte sich Raphaela nach eigenen Aussagen zu Hause nicht sicher.
In der Zeit, in der ich schwanger war, hat er mich missbraucht.Raphaela Baki-Kaore
Ein aktueller Bericht der Regierung von Papua-Neuguinea kam zu dem Ergebnis, dass 64 Prozent der 5000 befragten Frauen in PNG angaben, im Jahr 2025 Gewalt durch einen Partner erlebt zu haben.
Raphaela erzählt, sie sei mit Gewalt in der Familie aufgewachsen. Doch es war der Rat ihres Vaters, der dazu führte, dass sie ihre gewaltvolle Beziehung beendete.
Eine Umfrage des Australian Institute of Health and Welfare aus den Jahren 2021–2022 unter fast 12.000 Personen zeigte, dass 23 % der befragten Frauen und 7,3 % der befragten Männer seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch einen Intimpartner erlebt haben.
Zur Häufigkeit häuslicher Gewalt in der etablierten pazifischen Diaspora in Australien gibt es keine Statistiken.
Suzanne Utai ist Sozialarbeiterin und Therapeutin in Queensland und arbeitet im Bereich häusliche Gewalt, sowohl hier in Australien als auch im Pazifikraum.
Ihr zufolge könne zu den Ursachen für Stress in den Haushalten der Pasifika-Gemeinschaft in Australien der Druck gehören, Geld an Familienangehörige auf den Inseln zu schicken und für die Kirche zu spenden.
Außerdem glaubt sie, dass Urbanisierung und sich wandelnde Geschlechterrollen zu Spannungen im Haushalt beitragen könnten.
Frauen arbeiten und üben Jobs aus, die Männer nicht ausüben können.Suzanne Utai
Albert Tevita ist Pastor einer Kirchengemeinde im Westen Sydneys.
Der in Neuseeland geborene Samoaner ist außerdem Präsident des Pacific Island Action Mt Druitt Network, in einem Stadtteil, in dem eine große Pasifika-Gemeinschaft lebt.
Er versucht, seine Gemeinschaft dazu zu ermutigen, über häusliche Gewalt zu sprechen und Hilfe zu suchen.
Wenn Opfer häuslicher Gewalt zu ihm kommen, verweist er sie an Behörden und Beratungsstellen. Er arbeitet aber auch mit Tätern in Programmen, die darauf ausgelegt sind, das Verhalten von Männern zu verändern.
Gott spricht viel darüber, wie du deine Frau lieben und ehren kannst.Albert Tevita
Für Raphaela Baki-Kaore geht es wieder bergauf. Sie hat den Kreislauf der häuslichen Gewalt durchbrochen und ist mit ihrer Tochter in Sicherheit nach Australien gezogen.
Heute konzentriert sie sich darauf, andere Frauen in ihrem Boxstudio in Melbourne zu trainieren und zur Selbstbestimmung zu verhelfen.
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