Sönke Wortmann on the power of comedy, changing cinematic landscape and the art of letting go

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SBS German Redakteur Benjamin Kanthak traf Regisseur Sönke Wortmann zum Gespräch in SBS-Studios in Sydney. Credit: Supplied

With films such as Maybe... Maybe Not, The Miracle of Bern and Family Affairs, Sönke Wortmann has established himself as one of the most successful German directors. With “The Empty Nesters”, based on texts by Jan Weiler, he now dedicates himself to the moment when children start their own lives — and parents must learn to let go. In conversationis he talks about his latest film, but also about the cinema experience in times of streaming, the special role of film festivals and his relationship with soccer in times of oversaturation and commercialization.


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With “Die Ältern” (international: “The Empty Nesters”), director Sönke Wortmann brings to the screen a comedy that is as humorous as it is melancholy about life after the children have moved out. The film is part of Europe this year! Europe Film Festivals and will celebrate its Australian premiere there on 24/02 in Sydney and on 26/02 in Melbourne — a special highlight for anyone who wants to experience German cinema on a large scale.

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Regisseur Sönke Wortmann im Gespräch mit SBS German Redakteur Benjamin Kanthak im Studio in Sydney. Credit: Supplied

Disclaimer: We would like to point out that the opinions expressed in this article represent the personal views of the interviewed/interlocutor.

Benjamin Kanthak: Bei mir ist jetzt Sönke Wortmann. Vielen, vielen

Dank, Sönke, dass du die Zeit nimmst, mit uns zu

sprechen.

Sönke Wortmann: Danke für die Einladung.

Benjamin Kanthak: Woran erkennt man einen Sönke Wortmann Film?

Sönke Wortmann: Ich habe keine Ahnung, aber wenn ich mir was

wünschen würde, dann ist es Also meistens mache

ich ja Komödien. Das ist ja so mein Home Turf

sozusagen. Und wenn dann einer Es ist nicht nur

lustig, sondern ist auch gleichzeitig

melancholisch oder sogar manchmal traurig, dann

dann würde mich das freuen, wenn das eine

Handschrift wäre.

Benjamin Kanthak: Ist das auch das, was dich an dem Film Die Eltern

sofort gereizt hat? Also an der Geschichte

dahinter?

Sönke Wortmann: Ja, schon. Also die Geschichte, auf die kommen wir

bestimmt gleich noch mal kurz. Das kann man auch

als Tragödie erzählen. Für mich ist eine gute

Komödie immer einen Schritt von der Tragödie

entfernt. Und hier geht es ja einen mann die 50,

der eigentlich glücklich verheiratet ist und als

Schriftsteller gut leben kann, für den sich dann

die ganze Welt aber ändern, weil erst seine

Tochter auszieht und dann seine Frau gleich mit.

Und er muss ganz schön viel wegstecken. Und das

kann man natürlich sehr traurig erzählen, aber

auch mit einem gewissen Humor, wie ich finde. Und

das haben wir versucht.

Benjamin Kanthak: Ja. Das Buch, was ja quasi als Grundlage zur

Verfügung stand von Jan Weiler, das beruht ja auf

Geschichten. Das ist so eine Sammlung von Texten

aus seiner Kolumne. Richtig?

Sönke Wortmann: Genau. Er schreibt eine Kolumne für die Welt oder

Welt am Sonntag. Ich vergesse das immer. Und über

20 Jahre macht das schon, begleitet er seine

eigene Familie im Alltag und schreibt darüber. Und

der erste Sammelband hieß Das Pubertier, das wurde

auch verfilmt, sehr erfolgreich auch. Und jetzt

sind die Kinder halt schon die 18, also 17 und 19

genauer gesagt. Und da verschieben sich ein paar

Probleme. Und das beschreibt er in diesen neuen

Kolumnen, die Eltern. Und wir haben versucht,

einen roten Faden reinzubauen, damit es auch eine

Geschichte von A bis Z ist. Und das Ergebnis sehen

wir dann hier in Sydney nächsten Dienstag und im

Melbourne Donnerstag.

Benjamin Kanthak: Ja, wir freuen uns wirklich drauf. Aber jetzt noch

mal zu dieser Art von Text, die Jan Weiler da

geschrieben hat. Wie muss man sich das vorstellen,

dieses Format, was er dort irgendwie in dem das ja

verfasst ist, dann zu übersetzen in Filmsprache?

Ich stelle mir das nicht ganz einfach vor. Wie war

die Arbeit daran?

Sönke Wortmann: Ja, das war überhaupt nicht einfach. Wir haben

relativ lange dran geschraubt, muss ich sagen. Jan

Weiler ist ein ganz toller Romanautor, der auch

Dialoge schreiben kann wie kaum ein zweiter. Das

hat er hier auch geschafft. Aber was immer gefehlt

hat, ist sozusagen die durchgehende Geschichte,

die Entwicklung einer Figur. Und die musst du in

einer Kolumne ja gar nicht haben, weil die fängt

an und dann ist sie ja schon wieder zu Ende. Es

gibt keine Entwicklung, keine Reise der

Protagonisten und auch der Nebendarsteller. Und

das mussten wir da reinkriegen und das war

schwieriger als ich da.

Benjamin Kanthak: Aber was hat denn den speziellen Reiz für dich

jetzt persönlich ausgemacht? Also das ist ja ein

Themenbereich, mit dem du dich identifizieren

kannst. Du hast ja selber Kinder.

Sönke Wortmann: Ja, stimmt. Ich bin im gleichen Alter ungefähr,

ich bin Auch schon über 50 jetzt. Kinder sind aus

dem Haus, Also sind schon Dinge, die ich teilweise

selber erlebt habe. Es ist aber nicht so, dass es

jetzt so in einen Autorenfilm abgleitet, also dass

ich nur sozusagen über die eigene Blase berichte,

sondern ich habe gemerkt, dass auch im

Bekanntenkreis, deswegen heißt der Film ja auch

die Empty Nesters. In Deutschland ist das ein sehr

feststehender Begriff, Wie heißt es Nest?

Benjamin Kanthak: Weiß ich auch nicht. Empty Nester. Ja, wenn die

Kinder das Nest verlassen, ich weiß, gibt es dafür

überhaupt einen Bericht?

Sönke Wortmann: Ich glaube, ich komme nicht drauf, weil ich in

letzter Zeit nur Englisch spreche, dann vergesse

ich das Deutsche.

Benjamin Kanthak: Geht mir auch so seit ein paar Jahren, was du

meinst.

Sönke Wortmann: Ja, man kann sich natürlich ein bisschen darauf

einstellen, das haben wir auch gemacht. Es ist

natürlich schwierig, wenn man sozusagen 18, 19, 20

Jahre lang stehen die Kinder ja automatisch im

Mittelpunkt einer Familie, weil man sich kümmern

muss, weil sie Schule haben, weil sie

Schulprobleme haben, solche Dinge. Und wenn sie

dann aus dem Haus sind, wie man so sagt, da kommen

viele nicht mit klar, viele Eltern, weil sozusagen

das Hauptthema der Familie einfach nicht mehr da

ist oder nicht mehr so da ist. Der Film will aber

auch zeigen, dass das eine Chance sein kann, im

letzten, weiß ich nicht, Drittel, Viertel des

Lebens, sich noch mal mitzuverändern und Dinge

wieder tun zu können oder zum ersten Mal tun zu

können, für die man die letzten 20 Jahre keine

Zeit hatte.

Benjamin Kanthak: Ja, stimmt. Das ist genauso, wie wenn man dann

irgendwann mit dem Berufsleben dann abschließt und

da ans Ende kommt und wenn man dann nichts

gefunden hat, keine Passion im Leben, dann wird es

halt auch ziemlich einsam und ziemlich traurig.

Sönke Wortmann: Dann wird man schneller alt.

Benjamin Kanthak: Dann wird man schneller alt. Ja. Nun könnte das

Ganze ja auch ein Drama sein. Es ist eine Dramedy

Komödie. Was macht den Reiz an Komödien für dich

aus? Immer noch?

Sönke Wortmann: Oh, das kann ich gar nicht so sagen. Also ich mag

andere Genres auch sehr gerne. Gibt ein paar

Dinge, die könnte ich nicht, die interessieren

mich auch gar nicht so. Sky Five, Special Effect

Filme würde mich nicht so interessieren. Komödie

hat für mich was, so wie ich sie verstehe, was

zutiefst menschliches. Probleme haben wir ja alle.

Und Komödie kann sehr gut dabei helfen, das besser

einzuordnen. Und ich glaube, das ist der Grund,

warum ich da immer wieder hin zurückkomme.

Benjamin Kanthak: Nun hat sich die Komödie ja auch verändert und in

den letzten drei Dekaden hast du ja auch wirklich

ganz maßgeblich mit dazu beigetragen.

Sönke Wortmann: Sehr lange schon.

Benjamin Kanthak: Ja, tatsächlich. Ich hab recherchiert, aber ja,

stimmt wirklich. Und deine Filme haben mich und

meine Generation natürlich auch begleitet. Der

bewegte Mann in den ER Jahren, viele andere, aber

natürlich dann auch Filme wie Bang Boom Bang oder

Knockin’ On. Heaven Store. Also die Komödie hatte

so ein ganz bisschen mehr edgy, so 90 Sekunden

viel. Also jetzt gerade ist ja auch 90 Sekunden

Nostalgie ganz groß. Also man schaut es ein

bisschen anders sich an. Dann kamen wir in so eine

ER Phase, wo wir dann die zwei Ohr Hasen, zwei

Ohrküken hatten und andere Filme oder Fack ju

Goethe, solche Serien, die sehr erfolgreich waren.

Ich finde es ganz spannend, die Komödien aus

Deutschland in den letzten Jahren, die haben einen

anderen Ton. Das hat mich so erinnert auch an

französische Komödien beispielsweise, die ja dann

auch wirklich Themen aufgreifen wie Political

Correctness und andere wirklich

gesellschaftskritische Themen. Wie erlebst du die

deutsche Komödie in den letzten Jahren? Du bist ja

maßgeblich Teil dessen.

Sönke Wortmann: Ja, ich denke schon, dass wir besser geworden sind

im Laufe der Jahre. Es wäre auch schade, wenn es

nicht so ist. Aber ich beziehe das gar nicht so

auf die Komödie alleine, sondern ich habe schon

das Gefühl, dass der deutsche Film besser wird.

Also aufgrund der Themenvielfalt, aber auch in

anderen Genres glaube ich, dass rein technisch und

von der Erzählform, wie wir das machen, dass es

viel besser geworden ist. Und wenn ich meine

ersten Filme angucke, was ich ja nicht mehr tue

aus gutem Grund, dann denke ich, oh, das ist aber

ganz schön ungelenk, ungeschickt. Und ich glaube,

da sind wir wesentlich professioneller geworden.

Und wenn die Sprache nicht wäre, kannst du, glaube

ich, heute bei den meisten deutschen Filmen oder

zumindest den Komödien oder diesen Dramödien,

Drama, dies hast du gesagt, kannst du nicht

unbedingt einen Unterschied erkennen zu anderen

Ländern. Was ich aber schön finde, also die

Sprache bleibt natürlich Deutsch, also ist als

deutscher Film nach wie vor erkennbar, aber es ist

nicht mehr so trutschig, wie es mal war.

Benjamin Kanthak: Schönes Wort, trutschig. Ja. Und ich musste da

auch ganz viel dran denken an die Entwicklung zum

Beispiel des skandinavischen Films, wo ja dann

teilweise auch, hat man das Gefühl, ein bisschen

neidisch drauf geschaut wurde, mit wie wenig

Mitteln dort auch wirklich dann Filme gemacht

wurden, die international gefeiert wurden. Auch

diese Genre, Crime Noir und so, haben die absolut

dominiert, Skandinavier, aber auch andere Genres.

Es ist ja nicht ein Infrastrukturproblem. Ich

meine, der deutsche Film hatte ja Fördermittel und

so weiter. Also daran liegt es ja nicht. Die

Fördermittel waren immer da. Das heißt, es muss

irgendwie tiefer gehen. Die Art und Weise, wie

Film verstanden wird oder an den Filmschulen

gelehrt wird oder die Inspiration. Wo meinst du,

kam diese Veränderung her? Weil Funding ist es ja

nicht, glaube ich, oder?

Sönke Wortmann: Ne, Funding ist es nicht, aber ich glaube, es ist

einfach ein Lernprozess. Also erstmal eine

Erkenntnis, dass Film ohne Publikum nicht geht.

Das war früher mal anders im deutschen Filmen. Da

habe ich so das Gefühl, es war alles so

erdenschwer und die Macher haben es nur für sich

selber und ihre Bubble gemacht. Ich glaube schon,

diese Einstellung hat sich geändert. Also man will

schon sein Publikum erreichen, so insgesamt.

Manche wollen es immer noch nicht, aber im Großen

und Ganzen, glaube ich, ist das so. Und das ist

eine ganz wichtige Erkenntnis, wenn man sozusagen

diesen Notenschlüssel mal gefunden hat, dann sehen

die Filme automatisch ein bisschen anders aus.

Benjamin Kanthak: Ja, und ich finde auch, dass Streaming, love it or

hate it, ist natürlich so eine Sache.

Streamingdienste können ganz viel leisten für den

Film, aber können natürlich auch dafür sorgen,

dass der Film irgendwie darunter leidet, dass es

sie gibt, Was du angesprochen hast, so geht es mir

auch. Also wenn man ein gutes Konzept hat, einen

guten Film dann ist es egal, ob der in Spanien

produziert ist, in Deutschland produziert ist, er

findet dann irgendwie sein Publikum. Ich habe

neulich gelesen, dass Streamingdienste aber zum

Beispiel bei ihrer Produktion mit einbeziehen, wie

Menschen diese Filme konsumieren. Also dass sie

oft am Telefon sind und nur so halb die Filme

schauen. Da muss man kein Filmromantiker sein,

dass einem da das Herz blutet.

Sönke Wortmann: Das ist so.

Benjamin Kanthak: Da wird dann auch die Bedeutung des

Kinoerlebnisses deutlich. Also dass wir weiterhin

Kino brauchen, wie du dazu stehst, kann ich mir

schon denken. Aber wie siehst du die Entwicklung

von Filmen in Zeiten von Streaming?

Sönke Wortmann: Ja, es hat Vor und Nachteile. Der Nachteil ist

tatsächlich, dass die ein bisschen Publikum

wegnehmen. Also es gehen nicht mehr so viele Leute

ins Kino, wie es mal war. Das ist natürlich

schade. Andererseits, es sind immer noch genug.

Also man kann noch davon leben, auch die

Kinobesitzer, wenn sie ein paar Dinge richtig

machen, auch die Filmverleiher, Das geht schon

noch. Und ich stelle immer wieder fest, dass es

einfach ein Riesenunterschied ist, ob man einen

Film, egal ob Drama oder Komödie, bei Komödie ist

es noch wichtiger, zusammen in einem Raum mit,

weiß ich nicht, zwei, drei, vierhundert anderen

Leuten sieht. Das ist ein anderes Erlebnis, das

gleichzeitig auf einer großen Leinwand zu sehen

ist ein ganz anderes Erlebnis, als zu Hause auf

der Couch zu sitzen und das auf einer Mattscheibe

zu sehen. Und ganz schlimm ist natürlich noch dann

in der U Bahn, wenn die Kids da auf ihrem

Smartphone das gucken. Das kann ich nur sehr

schwer.

Benjamin Kanthak: Vorstellen.

Sönke Wortmann: Insofern glaube ich schon nach wie vor, ich bin da

Optimist. Das Kino wird es immer geben. Und ich

habe auch das Gefühl, dass die Streamer, es gibt

natürlich Ausnahmen, es gibt immer wieder hier und

da tolle Produkte, aber wenn ich mich da so durch

scrolle und das Angebot sehe, ich habe schon das

Gefühl, ich werde nicht mehr überrascht. Das war

am Anfang anders bei den Streamern. Und jetzt

aufgrund der Tatsache, die du gerade erwähnt hast,

die kriegen ja sofort die Rückmeldung und stellen

sich genau darauf ein, wann was zu passieren hat.

Mich langweilt das mittlerweile. Ich werde da

nicht mehr überrascht.

Benjamin Kanthak: Die Marketingabteilung gibt sich High Fives, weil

sie alles irgendwie analysieren können. Aber dann

hast du natürlich eine Gleichschaltung. Definitiv.

Also geht mir auch so, dass dann einige Formate

oder Ideen dann relativ gleichgeschaltet werden,

weil es anscheinend funktioniert und dann macht

jeder so seinen Abklatsch. Aber ich habe da

neulich auch viel drüber nachgedacht.

Sönke Wortmann: Das funktioniert dann nur bis zum gewissen Grade,

weil wenn alle das Gleiche machen, dann glaube ich

nicht mehr, dass es funktioniert. Also diese

Überraschung, die ich ja so wichtig finde im Film,

auch bei den Screamern, die findet eher nicht

statt. Und das ist, glaube ich, ein Fehler.

Benjamin Kanthak: Und das Live Erlebnis in einem Kinosaal, so was

gemeinsam zu erleben, hast du schon angesprochen.

Und das ist was, darüber habe ich ganz viel auch

in letzter Zeit in der Familie, aber auch mit

Freunden darüber gesprochen. Leute sehen sich ja

nach solchen Erlebnissen. Und ich glaube, wir sind

so übersättigt, auch mit diesem On Demand, alles

zu jeder Zeit, Everything all the time at once,

gibt es ein tolles Buch zu, wo es genau darum

geht, dass wir uns aber nach Erlebnissen im Leben

auch sehnen. Deswegen ist Livemusik ja auch nicht

tot. Deswegen wird das Kino vermutlich auch nicht

tot sein.

Sönke Wortmann: Theater wird es auch immer geben.

Benjamin Kanthak: Theater wird es immer geben.

Sönke Wortmann: Ich war gestern in der Sydney Opera, das war ganz

toll und das kriegst du natürlich auch nicht zu

Hause auf der Couch.

Benjamin Kanthak: Nein, und ich glaube, Leute sehen sich dann

danach, auch wenn diese Convenience vielleicht

dann irgendwie dann nicht mehr den Nerv kitzelt,

so wie es war. Also man kann wirklich nur darauf

hoffen. Und da sind natürlich auch Filmfestivals

ein wichtiger Bestandteil dessen, wie Menschen

neue Filme entdecken, neues entdecken, Filme

erleben. Wie erlebst du Filmfestivals heute? Ich

meine, du hast in deiner Laufbahn ja vermutlich

das ein oder andere Filmfestival schon mitgemacht.

Jetzt bist du hier in Sydney. Wie erlebst du diese

Festivals heute noch?

Sönke Wortmann: Ja, ich finde das immer wieder wichtig. Ich selber

werde relativ wenig eingeladen, weil die Filme,

die ich mache, sind oft nicht, wie man sagt, nicht

Festival tauglich, weil die dann zu, wie soll ich

sagen, zu leicht, zu kommerziell gedacht sind. Ich

glaube nicht, dass sich das gegenseitig

ausschließt. Ich glaube, dass. Kommerz und Kunst E

und U, das ist kein Widerspruch. Aber ich habe so

gemerkt, dass sie dann eher andere Filme nehmen.

Aber dank des Goethe Instituts, vertreten durch.

Benjamin Kanthak: Christoph Michelle, der hier im Raum sitzt, mit

einem großen Lächeln.

Sönke Wortmann: Die mich gerne ab und zu mal fragen, ob ich kommen

möchte und dann komme ich natürlich gerne. Jetzt

habe ich den Faden verloren. Was wollte ich

eigentlich sagen?

Benjamin Kanthak: Du wolltest mir eigentlich erzählen, was

Filmfestivals, wie du die heute erlebst.

Sönke Wortmann: Ich gehe deswegen gerne dahin, weil ich Filme

sehen kann, die ich sonst nicht sehen würde, weil

sie entweder gar nicht ins Kino kommen oder sie

kommen kurz ins Kino und sind dann wieder weg. Und

da habe ich schon auch tolle Überraschungen

erlebt. Und ich war mal in einer Jury beim Chicago

Filmfestival, das ist lange her. Und da habe ich

einen Film gesehen, der dauerte 3 Stunden. Es ging

einen Maler, der versucht hat, draußen einen Apfel

zu malen, einen Baum. Es war aber Herbst und die

Farbe veränderte sich quasi täglich. Er musste

also quasi so hinterher malen und es war so

spannend über drei Stunden. Das hätte ich nie

gedacht. Und den Film hätte ich nie gesehen ohne

Feste.

Benjamin Kanthak: Ja, das ist Wahnsinn. Das ist Wahnsinn, dass man

sowas erlebt. Und ich finde, ich möchte mal hier

eine Lanze brechen für die Komödie und für

leichtere Filme bei diesen Festivals, weil das war

eine Erfahrung, die wir jetzt gerade hier in

Australien hatten in den letzten Jahren, dass in

den Festival Lineups halt auch leichtere Filme,

leichtere Kost mit vertreten ist. Und das

Feedback, was wir so bekommen haben, wenn wir da

vor Ort waren von den Zuschauern, war auch, dass

es schön ist, da noch eine Mischung zu haben. Also

Festivalfilm muss nicht immer Doom, Gloom und

Hardcore Stuff sein, sondern es kann auch wirklich

was Leichtes sein. Das mischt sich ganz gut gut in

das Line up irgendwie.

Sönke Wortmann: Ja, das können wir Dienstag bieten.

Benjamin Kanthak: Ja, wir freuen uns wirklich drauf. Das wird super.

Die Australienpremiere des Films, Wenn so ein

internationales Publikum eine Komödie sieht, eine

deutsche Komödie, was hoffst du, was kann das

Publikum dadurch lernen?

Sönke Wortmann: Ja, ich glaube schon. Also, dass die Summe aller

Filme, die ein Land herstellt, die erzählt auch

was über das Land. Und ja, ich hoffe schon, dass

in dem Fall die Australier, die jetzt keinen Bezug

zu Deutschland haben, dass die merken, so humorlos

sind wir gar nicht bei uns, weil das finde ich ja

auch, dass wir das eigentlich gar nicht so sind.

Aber es gibt so bestimmte Klischees, die sich über

Jahrzehnte eingegraben haben, eingebrannt haben.

Und dazu gehört das eben, dass Komödien andere

besser können. Und es gibt natürlich Länder, die

es, wie ich finde, besser können. Das ist Amerika.

Durch die ganzen jüdischen Auswanderer ist der

jüdische Humor da auch noch so in Fleisch und Blut

in England ist es der englische, der schwarze, der

britische Humor, den ich sehr gut finde.

Frankreich ist gut und dann kommen auch schon wir,

habe ich das Gefühl. Also Australien weiß ich

jetzt nicht, aber ich meine jetzt, ich weiß nicht,

ob die Schweden besseren Humor haben oder die

Italiener haben es ganz sicher nicht, wie ich

finde. Also wenn ich nur die Filme mir angucke,

ist mir das dann auch zu oft auf die Zwölf. Und

ich habe schon das Gefühl, dass die Deutschen

einen Vorteil haben, dass sie ja auch eine sehr

melancholische Seite haben. Und wenn das da

einfließt, auch in eine Komödie, kann das kein

Nachteil sein.

Benjamin Kanthak: Definitiv nicht. Und die Überraschung ist dann

umso größer auch für das Publikum, wenn so ein

Klischee nicht bedient wird. Ist der deutsche

Film, die deutsche Komödie riskanter geworden in

den letzten Jahren? Also geht die Komödie ein

bisschen mehr dahin, wo es weh tut und wo man

vielleicht auch.

Sönke Wortmann: Ja, ich glaube schon. Ich glaube schon. Also ich

habe jetzt keine Beweise mitgebracht, aber ich

denke ja, das ist ein Gefühl.

Benjamin Kanthak: Du hast schon angesprochen, deine Filme sind eher

kommerzieller. Das ist ja auch was Tolles, wenn

man Erfolg hat und den hast du ja wirklich gehabt

in den letzten Jahren, weil das dir wahrscheinlich

auch eine Menge Freiheit schafft. Du hast einmal

gesagt, du kannst auch Flops, erklär mal bitte,

was du damit meinst. Meinst du damit, dass du mehr

Freiheit hast, auch Risiken einzugehen und du hast

nicht mehr diesen unsagbaren Druck, den vielleicht

jüngere Regisseure haben, die jetzt noch nicht

diese Erfolge vorlegen konnten.

Sönke Wortmann: Ja, ich kann auch Flops. Das ist meistens eine

Antwort gewesen, wenn man meine Erfolge

zusammenfasst und nennt. Und dann sage ich gerne,

ich habe auch schon negative Erfahrungen gemacht.

Ich habe auch schon große Misserfolge. Leider,

leider. Das tut dann schon ein bisschen weh, wenn

man viel Herzblut in einen Film steckt und dann

kommt er raus und keinen interessiert es. Das ist

schon sehr frustrierend. Aber daraus kann man ja

auch lernen. Und das habe ich dann versucht und

hab dann durch diesen Lerneffekt, habe ich

versucht, auf der anderen Seite beim nächsten Film

wieder Dinge besser zu machen und meistens ist es

auch gelungen.

Benjamin Kanthak: Ja, definitiv. Ich meine, die Zahlen geben dir

recht und auch das Feedback, was du bekommst,

immer noch für deine Filme nach all dieser Zeit.

Unglaublich. Bei Sönke Wortmann, da kommt man aber

das Thema Fußball leider auch nicht drumherum. Wir

sind in einem Fußballjahr.

Sönke Wortmann: Ich habe es befürchtet.

Benjamin Kanthak: Ja, aber ich halte mich kurz, keine Sorge. Ich

werde auch nicht zu sehr ins Detail gehen, was

deine Filme angeht. Aber natürlich, klar, Wunder

von Bern, Sommermärchen, das sind Filme, die man

mit deinem Namen verbindet. Du bist selber

fußballbegeistert, hoffe ich immer noch, trotz

dieser Fragen, die ihr Es.

Sönke Wortmann: Wird weniger tatsächlich, muss ich schon leider

zugeben.

Benjamin Kanthak: Und das ist genau das, was ich dich fragen wollte.

Du warst ganz dicht dran bei diesem legendären

Sommermärchen. Jetzt gehen wir auf eine WM zu. Wir

sind der offizielle Broadcaster für Australien.

Das freut uns auf der einen Seite. Auf der anderen

Seite kommt man natürlich nicht politische Themen

drumrum. Es war jetzt aber nicht nur die WM, die

wir jetzt vor der Brust haben, sondern auch schon

Katar. Wie erlebst du die Entwicklung von

Fußballweltmeisterschaften gerade, wo du so dicht

dran warst und dieses Wunder miterlebt hast Oder

die.

Sönke Wortmann: Sommermärchen für die, die es nicht wissen. Also

Sommermärchen kann nicht jeder was mit anfangen.

Das war die WM 2006, die in Deutschland stattfand.

Und da hatte ich das Vergnügen und die Ehre, die

deutsche Nationalmannschaft zu begleiten, überall

hin. Und daraus entstand ein Dokumentarfilm, den

auch sehr viele Leute gesehen haben. Mir selber

macht es immer weniger Spaß zu gucken. Also es

gibt natürlich diese Professionalisierung, diese

Kommerzialisierung, die geht ja immer weiter und

ich krieg so langsam. Es gibt immer so schöne

Spiele, meistens so Champions League Halbfinale,

wo ich Boah, ist das ein toller Sport. Aber

insgesamt, insgesamt finde ich das bin dann nicht

mehr so leidenschaftlich, weil ich kann es gar

nicht sagen, warum.

Benjamin Kanthak: Ist eine Übersättigung vielleicht auch zu viel?

Sönke Wortmann: Ja, zu viel. Und dann gibt es noch die Donations

League und dann gibt es, was es alles gibt. Ich

bin auch so ein bisschen ratlos mit meinen

Argumenten jetzt.

Benjamin Kanthak: Ja, aber es ist, finde ich, ein Gefühl, dass ich

persönlich würde mich als Fussballromantiker auch

bezeichnen. Das geht mir ähnlich. Und auch im

Gespräch mit anderen Freunden, die absolut

fußballbegeistert wahren Zeitlebens, die im

Stadion standen, die diese Romantik wirklich

gelebt haben. Ich stand im Volksballstadion mit

meiner Oma und habe das in tolle Erinnerungen.

Also das geht wirklich weit, weit zurück, dass das

irgendwie nicht mehr so anfasst. Und ich glaube,

die Kommerzialisierung ist da definitiv ein

Problem. Aber vielleicht hat auch so die

politische Ebene, also Katar, das hat sich nicht

gut angefühlt.

Sönke Wortmann: Es fing ja mit Russland schon an. Russland, ja,

jetzt ist USA hauptsächlich, also natürlich auch

noch in Kanada und Mexiko, zwei sehr sympathische

Leute und die tut es mir leid. Und dann gibt es ja

diese FIFA mit diesem komischen Präsidenten. Das

ist einfach alles so unsympathisch geworden. Das

färbt für mich auf den Sport ab. Also es verleidet

mir so ein bisschen. Also ich meine, ich werde das

Endspiel schon gucken und die Halbfinals auch die

entscheidenden Spieler. Ich bin ja sehr selektiv

geworden, lange nichts mehr alles. Und wenn es mal

wirklich was geht, dann bin ich wahrscheinlich

schon wieder dabei. Aber die Euphorie hat sich

nicht eingestellt in Katar damals auch nicht vor

vier Jahren und jetzt ist auch nicht der Fall. Und

ich glaube, es wird auch nicht kommen.

Benjamin Kanthak: Lassen wir den Fußball mal wieder Fußball sein.

Sönke Wortmann: Danke.

Benjamin Kanthak: Gibt es noch etwas, das du unbedingt drehen

willst? Hast du noch so ein Unicorn, wo du

vielleicht auch schon länger drüber nachdenkst?

Das wäre eine Geschichte, die ich gerne verfilmen

würde oder ein Themenbereich?

Sönke Wortmann: Ne, gibt es nicht, weil das Glück tatsächlich,

dass ich eigentlich immer das machen konnte, was

ich mir vorgenommen hatte. Es gab so aus meiner

Sicht ein paar ganz wichtige Filme, also Das

Wunder von Bern zum Beispiel oder auch

Deutschland, Sommermärchen, kleine Hai, ist ein

früherer Film, ein Frühfilm von mir. Also ich

hatte schon immer das Gefühl, dass ich meine

Traumprojekte auch machen konnte. Da bin ich auch

sehr glücklich drüber.

Benjamin Kanthak: Ja, das kann ich mir sehr Gut vorstellen. Am 24.

Februar feiert dein aktueller Film Die Eltern

Australienpremiere in Sydney.

Sönke Wortmann: Die Eltern mit Ä, muss man dazu.

Benjamin Kanthak: Sagen, Eltern, es gibt ältere Eltern.

Sönke Wortmann: Wo die Kinder eben gerade weg sind.

Benjamin Kanthak: Schöner kleiner Joke.

Sönke Wortmann: Wir haben auch überlegt, wie es auf Englisch

heißen könnte, aber the Parents mit Ä wäre auch

komisch gewesen oder nicht?

Benjamin Kanthak: Oder vielleicht gerade deswegen wäre es ganz gut.

Sönke Wortmann: Das wäre mein Vorschlag gewesen. Aber jetzt heißt

es the Empty Nesters, was inhaltlich Sinn macht,

was uns auf.

Benjamin Kanthak: Deutsch nicht eingefallen ist. Insofern, also die

Eltern, Eltern mit ä. Am 24. Februar feiert hier

Premiere in Australien. Du wirst vor Ort sein, was

total schön ist, auch für diejenigen, die beim

Europa Europa Festival das dann live erleben

werden. Worüber sollen die Menschen, die jetzt

diesen Film im Kino dann sehen, wenn sie das Kino

verlassen. Worüber sollen die diskutieren auf dem

Heimweg? Was wäre so dein Wunsch, was sie

mitnehmen?

Sönke Wortmann: Naja, ich will es ja auch nicht zu viel verraten,

aber es geht natürlich auch die Ehe, die dort

verhandelt wird. Also die Eltern sind ja auch

verheiratet, die Eltern mit Ä und wie sie dann

damit umgehen. Mehr kann ich nicht verraten. Das

ist schon sehr erwachsen, wie ich finde. Und ich

finde, man sollte dann auch da erwachsen mit

umgehen. Das heißt, wenn man sich sehr lange kennt

und lange verheiratet ist und dann sich aber

anders entwickelt, also nicht mehr gemeinsam,

sondern andere Interessen entwickelt, dann sollte

man das gegenseitig respektieren. Und wenn das

einen Vorbildcharakter haben könnte, wie in diesem

Film, dann würde mich das freuen.

Benjamin Kanthak: Wir sind gespannt, wir freuen uns auf den Film.

Sönke Wortmann, vielen, vielen Dank, dass du bei

uns hier vorbeigeschaut bist, bei uns im Sender.

Hat wirklich viel Spaß gemacht.

Sönke Wortmann: Vielen Dank.

Benjamin Kanthak: Dankeschön.

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