Leidenschaft als Lebensentwurf: Dieser Berliner lebt seinen australischen Traum

DJI_20000214180501_0010_D.JPG

Patrick Faizy auf seinem Grundstück an der Central Coast in NSW: Zwischen Natur, Familie und Bienenstöcken hat sich der gebürtige Berliner seinen australischen Traum erfüllt. Credit: SBS German

Patrick Faizy hat sich an der Central Coast in New South Wales seinen australischen Traum erfüllt. Mit seinem Foodtruck-Business „German Grillhaus“ bringt der gebürtige Berliner deutsche Klassiker wie Currywurst zu Großevents und lokalen Festen in der ganzen Region. Doch sein Leben Down Under besteht nicht nur aus Hightech-Imbissen auf Rädern: Gemeinsam mit seiner Familie lebt er naturnah auf einem eigenen Grundstück – und hat neben dem Unternehmertum auch das Imkern für sich entdeckt.


Entdecken Sie mehr Geschichten, Interviews und Nachrichten von SBS German in unserer Podcast-Sammlung.

 

Patrick Faizy lebt an der Central Coast in NSW, was viele sich wünschen: ein selbstbestimmtes Leben zwischen Unternehmertum, Natur und Familie. Vor 17 Jahren kam der gebürtige Berliner nach Australien – ohne klaren Plan, aber mit Offenheit für Neues. Aus ersten Nebenjobs entstand Schritt für Schritt sein Foodtruck-Business „German Grillhaus“. Heute steht er mit seinen Hightech-Imbissen bei Großevents wie Konzerten im Sydney Olympic Park ebenso wie bei lokalen Festen. Deutsche Klassiker wie Bratwurst, Sauerkraut und inzwischen auch seine eigene Currywurst-Soße gehören fest zum Sortiment – „der deutsche Standard ist erhalten“, sagt er mit einem Lächeln.

Ich will jetzt in diesem Hier und Jetzt diesen Moment voll auskosten, egal was es ist.
Patrick Faizy

Doch der Weg dorthin war kein geradliniger. Vom Apartment in Drummoyne zog die Familie später ins westliche Sydney, bevor es sie weiter an die Central Coast verschlug. Hier, auf einem großen Grundstück mitten im Grünen, fand Patrick seinen austyralischen Traum und vor allem Raum für neue Ideen.

Patrcik Faizy 3.png
Mit seinem Foodtruck „German Grillhaus“ bringt Patrick Faizy deutsche Klassiker wie Currywurst auf die Straßen von NSW – unterwegs bei Großevents und lokalen Festen in der ganzen Region.

Neben dem Foodtruck engagiert er sich in seiner Community bei der lokalen Feuerwehr und hat das Imkern für sich entdeckt. Die Arbeit mit den Bienen habe ihn verändert: „Du lernst, dass nichts planbar ist. Die machen, was sie wollen – und du hast nur eine Idee.“ Vor allem aber geben sie ihm Ruhe.

Das Catering-Modell wählte er bewusst – arbeiten am Wochenende, Zeit unter der Woche. Es gehe ihm nicht nur ums Geschäft, sondern um Flexibilität und Lebensqualität. „Ich will jetzt in diesem Hier und Jetzt diesen Moment voll auskosten“, sagt er. Für ihn bedeutet Erfolg nicht nur Umsatz, sondern Begegnung: „Es geht gar nicht so sehr um Verkauf – es geht um den menschlichen Kontakt.“

Disclaimer: Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass die in diesem Beitrag geäußerten Meinungen die persönlichen Ansichten der interviewten Person/des Gesprächspartners darstellen.

Benjamin: Patrick Feisi betreibt von der Central Coast in

New South Wales aus das Food Truck Business German

Grillhaus. Mit seinen Hightech Imbissen auf Rädern

ist er in der ganzen Region bei Grossevents und

auch lokalen Festen zu finden. Und dabei dürfen

deutsche Klassiker wie beispielsweise die

Currywurst nicht fehlen. Der gebürtige Berliner

hat mit seiner Familie auf einem Grundstück mitten

in der Natur seinen australischen Traum gefunden

und neben seinem Foodtruck Business unter anderem

auch das Imkern für sich entdeckt. Ich habe

Patrick vor Ort zum Gespräch getroffen und mit ihm

unter anderem über seine Anfänge, das Ankommen in

Australien, seine Leidenschaft, das Imkern und

Wege zu einem vollen, aber glücklichen Leben

gesprochen. Patrick, vielen, vielen Dank, dass du

dir die Zeit nimmst, mit uns zu sprechen. Vor

allem ein tolleres Setup könnte es ja gar nicht

geben. Wir sitzen hier gerade bei dir im

Vorgarten. Das klingt ein bisschen klein, weil

dein Vorgarten ist riesig groß und man hat

wirklich das Gefühl, man ist mitten im Paradies

hier auf so einer kleinen Sitzgelegenheit hier

neben deinen Bienen im absoluten Paradies.

Wahnsinn. Danke, dass du uns hier in deine kleine

Oase gelassen hast.

Patrick: Ich freue mich, dass du mit mir die Oase teilst.

Das ist schön.

Benjamin: Fangen wir mal direkt an. Wir sind uns über den

Weg gelaufen beim German Culture Day mit dem Grill

House. Für alle, die jetzt nicht wissen, was du

treibst, Foodtruck, das würde so ein bisschen

untertreiben, weil dein Food Truck ist wirklich

High End, High Technology, auch ein bisschen

German Engineering oder Austrian Engineering, was

da reingegangen ist. Erzähl mal, wer ihr seid, was

ihr macht. Und vor allen Wie bist du dazu

gekommen, hier so ein Business aufzumachen?

Patrick: Also meine Frau und ich, wir sind vor circa 17

Jahren nach Australien. Gekommen und man ist

hierher gekommen und wusste erstmal nicht, was man

machen soll und hat so viele diverse Nebenjobs

gemacht. Und eine Freundin von uns, die hat so

einen Sauerkrautstand gehabt und die hat mensch

Patrick, kannst du mal helfen? Und die waren eine

Domain. Das waren so größere Veranstaltungen, so

Weihnachtssachen. Und dann hat sie mir Mensch,

kannst du uns, Kannst du mich nicht unterstützen?

Und dann sind wir so zusammengekommen und nach und

nach haben wir mit Zelten angefangen. Dann haben

wir irgendwann uns einen Trailer geholt und dann

haben wir Mensch, wir werden alt. Das ganze

schleppen und der Rücken und Ischias Schmerzen.

Wir müssen das irgendwie ändern, sonst können wir

das nicht lange machen. Und dann haben wir uns

irgendwann mal gedacht, wir haben uns diese

Eiscreme Trucks angeguckt. Mensch, guck mal, die

kommen rein als letzte und die fahren als erste

raus. Das geht doch auch mit der Wurst und mit

Bratwurst und Kranzgiessen, was wir so verkaufen.

Und dann haben wir so einen Food Van gebaut, den

man so ausbauen kann, ausziehen kann und habe

sogar so ein bisschen Solar drin, also ein

bisschen Öko und Batterie. Das war also ohne

kannst du mit so einer Wallachei irgendwo

hinpacken Und mit dem Generator kann man dann halt

Würstchen verkaufen und Gas natürlich. Und das hat

gut funktioniert. Wir machen kleinere

Veranstaltungen, 80 Leute und das funktioniert

ganz gut. Und wir machen auch ganz große Sachen

mit Metallica Konzerte oder so ein Sydney Olympic

Park, was ziemlich cool ist. Das Gute an dem ist,

es ist ein Arbeitsplatz, wo du immer was Neues

hast. Du hast die Leute mit den Vibes, die dann da

sind, Musik da ist oder Mittelalterfeste, wo dann

irgendwelche Ritter kommen mit ihren Schwertern

halb angegriffen. Die kämpfen ja wirklich Und dann

hast du da so angeschlagene Ritter, die dann eine

Bratwurst bestellen. Es ist einfach eine coole,

coole Arbeitsatmosphäre. Und deswegen haben wir es

echt geliebt und weitergemacht.

Benjamin: Und es ist auch ein ganz eigener Lebensstil. Ich

glaube, es ist ein bisschen Traveler Lifestyle.

Ich glaube, das ist so eine eigene Welt, in der

man dann auch ist. Man kennt sich auch, glaube

ich, oder ist das eine falsche Annahme?

Patrick: Das ist so wie so eine Gruppe. Man reist so mit

anderen Leuten, das wechselt immer ein bisschen

und man hat auch wirklich Freundschaften. Man

unterstützt sich auch, wenn jemand Ich brauche

jetzt Gas oder ich brauche jetzt hier Servietten.

Und dann hilft man sich so ein bisschen aus. Und

die Kunden, die dann kommen, die kommen dann auch

regelmäßig Und dann hat man auch da eine

Freundschaft, die sogar manchmal entstehen kann,

die dann auch zu Hause zu einem kommen. Also das

ist so sehr privat, aber irgendwo auch immer

anders. Ich bin ein sehr Mensch, der Abwechslung

braucht und das passt natürlich absolut.

Benjamin: Und auch ein Mensch, der ganz schnell mit ganz

vielen Leuten in Kontakt kommt und auch unfassbar

viele Interessen hat und einen auch wirklich

anzündet mit deinem Enthusiasmus, muss man

wirklich sagen. So ging es mir auf jeden Fall

auch. Wie lange habt ihr das jetzt gemacht und wie

habt ihr wirklich aufgebaut? Ihr habt mittlerweile

zwei Trucks. Wie lange habt ihr daran jetzt gebaut

und was waren so die größten Hürden am Anfang für

euch? Geh nochmal zurück.

Patrick: Also erstmal hatten wir ja mit dem Zelt, war das

das Schwierigste. Man musste immer das Ganze

reinholen, rausholen, alles aus einem kleinen

Kühlschrank. Wir haben in Dremoine vorher gelebt

und dann kam das aus dem normalen Kühlschrank raus

und dann haben wir gesagt, okay, das geht jetzt

nicht mehr. Und dann haben wir uns halt irgendwann

mal einen Trailer gekauft, mussten natürlich dann

ein Auto holen, was diesen riesentrailer ziehen

kann. 3,5 Tonnen, 4 Tonnen. Und es ist aber sehr

schwierig, weil sowas zu hantieren ist auch

gefährlich. Und wir haben gesagt, wir müssen einen

Weg finden, das irgendwie zu vereinfachen. Und mit

diesen Food Vans, das war eigentlich, das war ein

Weg, wo wir jetzt noch so, ich bin jetzt so Anfang

50, okay, das ist noch würdig für uns, das

weiterzumachen. Und Myra, meine Frau, die ist halt

Grafikdesignerin, die hat auch so ein Auto von

außen so gemacht, das sieht aus wie die Kinder

kommen und ey, looks like a matchbox car mit den

ganzen Decals drauf und das kommt ganz gut an

jetzt für uns. Und mit dem Goethe Institut, das

war ja so, da gibt es auch als andere, da kommen

wir ganz gut an mit dem Wagen.

Benjamin: Und vor allen Dingen kommt ja auch eine gute

deutsche Bratwurst richtig gut an.

Patrick: Das ist lustig.

Benjamin: Also gerade nicht nur in der deutschsprachigen

Community, die die sich dann danach sehnt, mal

wieder eine gute deutsche Bratwurst zu essen,

sondern auch hier in der weiteren australischen

Community ist es total beliebt. Also erstmal, wo

kommen eure Würste her? Das ist ja wirklich ganz,

ganz wichtig. Und zum anderen, was meinst du,

woran liegt das, dass Leute irgendwie da so eine

Lust drauf haben?

Patrick: Also vor circa acht Jahren war es so, dass keiner

wusste, was Sauerkraut ist. Mittlerweile braucht

man das nicht mehr zu erklären. Also man hat immer

so erklärt, Sauerkraut ist das und das Pickled

Cabbage und so. Jetzt ist es einfach nur, die

Leute wissen es, die Bratwurst haben wir von einem

Metzger der ist eigentlich Engländer und der macht

die wirklich wunderschön. Das ist eine Schweizer

Bratwurst und das ist mit Sauerkraut und der macht

diese Kranskis und der hat irgendwie ganz viele

Awards gewonnen in den Easter Show Veranstaltungen

und wir arbeiten mit ihm schon seit fast 14

Jahren. Das ist schon. Also und er ist auch

derjenige, von dem wir Wurst bekommen. Es ist ein

ganz besonderer Metzger, weil viele Competitions,

die wir jetzt hier haben, die kriegen es irgendwie

von einem anderen und wir wollten da uns ein

bisschen draus halten und unsere Wurst anbieten.

Und der Metzger ist uns loyal geblieben und treu

und das funktioniert wunderbar und sehr

zuverlässig. Jede Wurst ist wie die andere. Da

kommt kein Kunde und oh, meine ist ein bisschen

kürzer oder meine schmeckt anders. Das ist

wirklich alles. Der deutsche Standard ist

erhalten. Das ist ganz wichtig. Aber viele

Deutsche, die dann so kommen, die hier in

Australien leben, die sind alle immer sehr

kritisch. Eine richtige deutsche Bratwurst, das

wollen wir ja mal bewiesen haben und dann versuch

doch mal erst. Es funktioniert am Ende kommen. Die

ist wirklich gut. Also es passt schon. Aber wir

haben jetzt das Neueste, weil ich bin ja aus

Berlin und wir haben ja die Bratwurst als

Currywurst in Berlin und das Problem war, wir

haben niemals eine Currywurstsosse kaufen können.

Also was macht man da? Man experimentiert, macht

seine eigene Currywurst und das hat jetzt bei uns

total durchgeschlagen, weil wir haben

normalerweise mehr Kranzkäs verkauft in der

Vergangenheit und jetzt ist die Bratwurst mit der

Currywurst so ein Hit. Und wir hatten in Goethe

Institut, ich glaube, er war irgendwie Co Direktor

oder so, der hat die Currywurst mal probiert und

der hat das auch Video aufgezeichnet, der fand die

auch ganz gut. Also neues Thema ist Currywurst für

uns, dass wir die produzieren, muss man hier

Benjamin: auch noch bekannter machen, finde ich auch. Also

wir sind auch immer am Schwärmen von der

Currywurst, wenn wir Freunde haben, die vielleicht

mittlerweile schon angefangen haben zu okay, eine

deutsche Bratwurst und man nimmt auch

Schweinefleisch und nicht irgendwie eine Chicken

Sausage oder eine Beef Sausage, sondern das ist

schon ganz gut und auch wie sie schmecken soll.

Aber du hast schon deine Berliner Herkunft

angesprochen. Du hast hier in Sydney angefangen,

im Westen von Sydney anfänglich gelebt und und

irgendwann war dir das aber ein bisschen zu eng

und du wolltest irgendwie was anderes. Und jetzt

sitzen wir hier mittlerweile an der Central Coast

wirklich in deiner Oase hier, in deiner grünen

Oase. Ich kann es wirklich nur so beschreiben.

Also wirklich Bäume überall. Es ist grün, es ist

herrlich, es ist ruhig, du hast Platz hier. Woher

kam die Motivation? Wie seid ihr hier gelandet?

Und erzähl mal ein bisschen, warum hat es dich da

weggetrieben?

Patrick: Also wir hatten, wir sind in Dremoine, haben wir

angefangen. Es war ein kleines Apartment gewesen,

es war wunderschön, aber wir hatten dann ein Kind

und das zweite Kind war auf dem Weg und dann haben

wir geguckt und wir konnten uns nichts leisten in

der Gegend dort. So sind wir dann halt nach

Blacktown gezogen und haben dann ein Haus gekauft

und das war halt renoviert und renoviert und

renoviert. Wunderschön. Aber ich habe den Strand

nicht gesehen und es hat irgendwie nicht geklappt.

Und ich hab zu meiner Frau Mensch, ich glaube, ich

habe so einen Moment gehabt, ich will zurück nach

Hause, Heimweh. Und das war das Gespräch. Und dann

haben wir nach Alternativen gesucht und sind nach

Central Coast mal reingegangen und haben geguckt,

weil der Bruder lebt hier. Und dann haben wir

diesen Platz gefunden hier. Das ist halt ein

Acreage, ein kleiner Acreage. Und bei mir sind da

die Fantasieblasen geplatzt überall. Da kann man

das und das und das machen. Das war so ein Traum,

ein City Slicker. Ich habe noch nie auf dem Land

gelebt. Für mich war das was Cooles. Und wieder

zurück nach Berlin. Apartments, naja, OK, wir

versuchen es mal. Und dann sind wir einfach hier

ausgebrochen, haben es irgendwie hinbekommen

finanziell, dass wir das kaufen konnten, mussten

aber dann uns das vorher verkaufen in Sydney. Das

war alles sehr knapp, unser Haus. Und es hat auch

geklappt, weil es wunderschön renoviert war,

überrenoviert. Und dann hat hier das Projekt

angefangen mit Bauen und Mähen und Steine drehen

und Freunde kennenlernen, die einem beibringen,

wie man mit einem Excavator Sachen Landscaping

macht und so. Das hat mir so viel Spaß gemacht.

Ja, und dann habe das mit der Feuerwehr mal

angefangen hier in Berkeleyville. Das ist die Rule

Fiber Brigade. Ich habe hier Hölzer gehabt, die

runtergefallen sind, die Stöcke, diese

Widowmakers. Ich wusste nicht, was ich damit

machen soll und habe dann gelernt, wie man

verbrennt Sachen verbrennt sicher mit der

Feuerwehr. Und ja, das hat sich ernsthaft auf den

anderen aufgebaut. Und dann kam irgendwann das

Gespräch Barbecue. Ach Mensch, mit einem Freund so

Bienen haben, ist doch ganz cool. Ja, so lass uns

mal. Dann haben wir die erste Box Bienen gekauft

und dann haben wir Bienen gefangen und dann hat

sich das ausgebaut, Beekeeping und Honig machen

und Wachs und es kommt eins nach dem anderen.

Meine Frau wird irre, weil ich habe natürlich

jetzt hier so einen Auslauf, das kein Ende hat.

Benjamin: Du bist halt auch so ein kleines Duracell Häschen,

muss man sagen. Läuft und läuft und läuft und

läuft, wie die Werbung uns beigebracht hat, hier

Energizer Bunny genannt. Es ist wirklich

unglaublich. Ich finde es immer spannend, Leute zu

treffen, die so viele Interesse haben, Interessen

haben, passioniert sind für Dinge. Und du hast

eine Frau schon angesprochen, die dich dann

einfängt. Das braucht man dann auch teilweise,

wenn man dann sehr, wenn man viele Träume hat und

auch diesen unsagbaren Trieb, neue Sachen

auszuprobieren. Ich finde es aber wirklich,

wirklich bewundernswert, weil du hast die Bienen

schon angesprochen, die sieht man auch schon hier,

die Kästchen in den bunten Farben. Du hast auch

eigene kleine Häuser gebaut im Stil von so einem

alpinen Fachwerkhäuschen. Also wirklich ganz, ganz

kreativ gelöst. Man merkt schon, ihr seid als

Familie sehr, sehr kreativ. Deine Frau auch

Künstlerin und Grafikdesignerin. Also da merkt man

schon, dass da alles zusammenkommt. Aber mit den

Bienen, das ist ja auch wieder ein ganz eigenes

Ding. Wie bist du genau dazu gekommen? Und das ist

ja wirklich auch jetzt nicht, was, was man mal

eben nebenbei anfängt, sondern ich glaube, wenn

man da erstmal einsteigt, dann hat man ja nun mal

hier sein Bienenvölkchen, das man sich kümmert.

Patrick: Dann hat man Verantwortung für die Mädels. Naja,

man bekommt halt einfach Hilfe, wenn man in dieser

Community sich öffnet. Dann kommen die älteren

Männer und Damen, die dann halt schon Ewigkeiten

Beekeeper sind und dann sind die dein Mentor und

dann gehst du mit denen mit, dann zeigen die dir,

wie du die Schwärme einfängst. Es ist schon

faszinierend. Du hast mit diesem lebenden

Organismus zu tun und lernst, dass nichts planbar

ist. Die machen, was sie wollen und du hast nur

eine Idee und das macht einen ein bisschen humble,

also demütig, dass man sieht, wie viel Arbeit da

drinsteckt und es gibt dir diese Ruhe und du sagst

gerade Duracell, die Bienen geben mir, obwohl sie

die harte Arbeit leisten, die Ruhe im Moment, wenn

man da ist und man muss mit denen ruhig arbeiten,

man versucht sie nicht zu quetschen. Passiert

natürlich immer wieder, wenn man die Boxen

aufmacht, aber es nimmt einem diesen Stress weg

und diese Duracell hektischen Monkey, der im Kopf

da drum trimmelt. Es gibt dir die Ruhe und und

dann lernst du im Grunde, dass du was schaffen

kannst, auch wenn du es in Ruhe und strukturiert

machst. Und die Struktur kommt von den Bienen auch

das hilft. Und die Frau natürlich, die gibt mir

auch Struktur. Also ohne sie würde ich

wahrscheinlich 300 Projekte gleichzeitig machen

und dann irgendwo erschöpft

Benjamin: im Graben liegen, kann ich mir vorstellen. Aber

das macht total Sinn. Ich glaube auch wenn man so

einen Singular Focus hat, also das ist ja auch

was, was sehr sehr Meditatives ist, sich dann auf

eine Sache konzentriert, dann kommt man ja

notgedrungen auch sehr sehr runter. Du hast schon

angesprochen Heimweh, das ist ja was mit den viele

Auswanderer oder hier Einwanderer zu kämpfen

haben, was auch ganz normal ist. Auch gerade in

schwierigen Zeiten sehnt man sich dann auch sehr

nach der Heimat und denkt sich da drüben ist alles

besser, das Gras ist grüner auf der anderen Seite

und so. Du hast schon angesprochen Community, ganz

wichtig, die Fire Brigade, bei der du dich hier

eingebracht hast. Das ist eine riesen Community,

deine Beekeeper Commun. Wann war bei dir so der

Moment, wo du gesagt Das ist es, Wir sind hier

wirklich angekommen? Hier könnte ich mir

vorstellen jetzt für immer zu bleiben.

Patrick: Vielleicht auch, also als wir nach Central Coast

gekommen sind. Bis dahin hat es bei mir noch

gedauert. Hier war so der Was mache ich jetzt? Ich

liebe das Land, ich liebe alles, was sich daraus

ergibt, aber jetzt muss ich mich öffnen. Und das

war so der Punkt. Und der Slang hier ist auch ein

bisschen anders. Also Englisch ist Englisch, aber

ich habe in der Feuerwehr, wenn die dann weder off

what ducks back, also dieses Lingo, dass man sich

einfach öffnet und ja, OK, ich bin nicht hier groß

geworden, aber ich bin offen und ich möchte gerne

lernen und ich bin da zum Helfen und mir wird auch

geholfen und das hat für uns geöffnet. Der Grund,

warum wir das Catering auch gemacht haben, das

hatte ich ganz vergessen vorher zu sagen, ist, ich

wollte versuchen am Wochenende zu arbeiten und in

der Woche Zeit zu haben. Das ist der Plan, dieses

Lifestyle. Ich arbeite am Wochenende und in der

Woche genieße ich oder mach meine Hobbys und hab

diese Zeit, dieses Downturn. Und das war der Grund

mit dem Catering, warum wir das eigentlich

angefangen hatten, weil so nine to five Jobs haben

wir gemacht. Ich habe im Büro gearbeitet und das

ist sehr ermüdend, weil es das Intervall, es ist

immer das Gleiche, es ändert sich nicht. Und hier

hast du diese Flexibilität, das habe ich mir

erhofft. Ist nicht immer so, man arbeitet auch

voll in der Woche gibt es Lieferungen und so

weiter, aber es ist halt so, dass es dir diese

Möglichkeit gibt, die Zeit zu haben, einfach zu

sehen, wo du bist, gerade den Moment zu erfahren

und aufzunehmen, wahrzunehmen und das verlieren

wir alle, wenn wir sieben Tage die Woche oder

sechs Tage die Woche arbeiten.

Benjamin: Ich finde, Zeit ist ein toller Punkt. Es gab

neulich einen wirklich spannenden Artikel von der

ABC, habe davor auch eine Dokumentation schon dazu

gesehen, Stichwort Zeit, Wie erleben wir Zeit?

Warum rast die Zeit, wenn wir älter werden? Und

dieses Making Memories scheint die beste Kur

dagegen zu sein. Also man hat es ja in Covid

erlebt auch wo, wenn man dann in so einen täglich

grüßt, das Murmeltier Rhythmus reinfällt, das

Gehirn sorgt dann auch dafür, repetitive Dinge

einfach zu löschen aus dem Memory, aus dem

Speicher zu dem Zwischenspeicher und dadurch

erscheint uns die Zeit viel, viel schneller.

Genauso, wenn man halt in diesem Hamsterrad drin

ist, arbeiten 9 to 5, jeden Tag dasselbe und so

weiter und so fort. Making Memories ist wirklich

was, es klingt ein bisschen klischeehaft, aber da

ist wirklich ganz viel dran. Und ich glaube, das

kann man auch erweitern, Neue Dinge ausprobieren,

neues erfahren. Wie geht ihr das an in eurer

Familie? Also nicht nur du bist jemand, der offen

ist für Dinge, aber wie lebt ihr das so mit der

Familie? Und würdest du das bestätigen, dass das

vielleicht auch dabei hilft, ein bisschen die Zeit

zu verlangsamen?

Patrick: Ich glaube, das ist, also wir haben zwei Kinder,

15 und 17 und das ist schwierig, das zu

vermitteln, weil in dem Alter, sie wollen ihre

eigene Erfahrung machen und das was, das ist

anders. Ich glaube für mich persönlich, mein

Nachname ist ja Faisi und ich nenne mich, also ich

sag mal, ich bin so ein Phaser, also ein Phase,

ich bin in der Phase, aber in dieser Phase, wo man

ist, diesen Moment wirklich zu erfahren. Also

jetzt sitzen wir zusammen und ich bin jetzt mit

dir und nirgendwo anders. Und ich weiß zum

Beispiel jetzt nicht, wo der Tag, was am Tag

passiert, ganz grob. Ja, aber ich lasse es offen.

Kann man sich nur leisten, wenn man jemanden hat,

der es organisiert, alles was drumherum läuft.

Aber es gibt diese Freiheit, dass man Zeit für was

auch immer das ist, Grashalm aufzuheben oder eine

Idee zu haben oder eine verrückte Idee zu haben.

Ach, versuchen wir das mal. Ich glaube, das ist

das Problem, dass wir uns die Zeit geben müssen,

einfach diese Ruhe, damit wir auf Ideen kommen und

das ist das. Und dann ist die Routine weg. Damit

bricht man die Routine. Und das versuche ich mit

meinen Kindern. Aber es ist immer schwierig, wenn

die Kinder sind jetzt in dem Alter, Papa, sie

werden es später, sie werden es später vielleicht

erfahren oder eine eigene Idee haben, wie man das

durchbricht, dass man diese Routine durchbricht,

weil die Zeit wirklich sehr wertvoll ist. Meine

Mutter, Eltern sind beide verstorben und man

sieht, wie schnell die Zeit vergangen ist und da

liegt ein Haufen von Erinnerungen, die was für sie

bedeutet haben. Aber für uns, wir können damit gar

nichts machen und das ist weg mit ihnen. Und

deswegen denke ich für mich, ich will jetzt in

diesem Hier und Jetzt diesen Moment voll

auskosten, egal was es ist, auch wenn es eine irre

Idee ist, irgendwas Neues zu bauen. Oder wir waren

jetzt in Neuseeland auf dem Urlaub und da habe ich

diese Trailer gesehen, wo die älteren Leute Sachen

verkauft haben und ich dachte, das ist doch eine

coole Idee. Wenn du 70 bist, willst noch mit

Leuten kommunizieren und abhängen, jung und alt,

was kannst du machen? Kannst Honig verkaufen,

Bienenkörbe, meine Frau kann, ich bin dann rum.

Und einfach nur, dieses Leben meaningful zu

machen, also bedeutsam zu machen, in jedem Moment

des Lebens, soweit man kann. Das ist so das

Prinzip, was ich hoffe, nachgehen zu können.

Benjamin: Ja, und ich finde, das ist auch wirklich immer

spannend, die unterschiedlichen Lebensmodelle, die

Menschen haben und dein Leben oder euer

Lebensmodell mit diesen Foodtrucks ist ja ein ganz

anderer Rhythmus auch als den, den andere Menschen

haben. Muss natürlich auch irgendwie dafür sorgen,

dass dann genug Essen im Kühlschrank ist und so.

Und auf welche Art und Weise das dann geschieht,

ist ganz unterschiedlich. Aber ich finde es

wirklich spannend und auch diese Kombination aus

verschiedenen Hobbys und Leidenschaften. Also ihr

habt jetzt eure Foodtrucks, du hast deine Bienen

angesprochen, kombiniert sich dann ja auch. Ich

glaube, für diese Currysauce nutzt ihr

wahrscheinlich auch ein bisschen den Honig oder

Patrick: die Currywurst hat Honig drin und das passt

natürlich. Also wenn man das so, wie sagt man,

holistisch angeht, ist es immer der beste Weg,

weil auch wenn bestimmte Sachen nicht

weiterlaufen, geht der andere Weg wieder zu was

Neuem, was man gar nicht gedacht hat, hat einfach

offen sein. Man könnte das und das machen oder

einfach Ideen, wenn wir jetzt zum Beispiel das

Café da machen, dass man den Foodtruck hinstellt,

weil wir haben ihn halt da oder dass man einfach

was anderes kreiert, was man dann da verkaufen

kann. Aber es geht gar nicht so sehr Verkauf, es

geht den menschlichen Kontakt, die Geschichten,

die die Leute reinbringen, so wie wir in

Neuseeland unsere Geschichten erzählt haben bei

dem Pärchen, das da 75 war und die haben ich habe

gesehen, es ging gar nicht so den Laden, Es ging

diesen Kontakt, dass man den behält und dass man

halt wirklich dieses alt und jung. Jetzt habe ich

die Beekeeper sind alle 70, unsere

Mitarbeiterinnen, die mit uns arbeiten, sind alle

backpacker und sind 18, 19, 20 und es hält dich

jung. Es hält dich auch offen, irgendwie nicht so

einen Standardgedanken zu haben, sondern du siehst

die Perspektiven und bist einfach offener für für

das Leben und was es dir bringt.

Benjamin: Ja, auf jeden Fall. Dem kann ich wirklich nur

zustimmen. Noch abschließende Wo geht jetzt die

Reise hin? Also ich meine, euer Business läuft

wirklich gut. Ihr habt da eine tolle Mischung

gefunden, was auch zu eurem Lifestyle passt, Ihr

habt ein schönes Zuhause, ihr habt wirklich einen

tollen Spot gefunden, seid in der Community

wirklich voll angekommen, wie du mir auch schon

berichtet hast, bevor wir überhaupt angefangen

haben, das Interview aufzuzeichnen. Wo siehst du

die Reise jetzt noch hingehen. Also jetzt, du hast

schon gesagt, wenn du 70 bist, vielleicht habt ihr

das Café oder so, aber dazwischen ist ja noch ein

bisschen Zeit in den nächsten Jahren.

Patrick: Gute Frage. Also jetzt, ich habe mir eine Maschine

geholt, eine CNC Machine und werde jetzt aus Holz

Schilder machen und irgendwas kreieren. Vielleicht

mache ich Surfboards, keine Ahnung, irgendwas, was

mich inspiriert. Ich muss mich ein bisschen

bremsen. Ich habe zu viele Projekte. Ich muss das

so ein bisschen reduzieren, weil das Problem ist,

wenn du halt so viel Land hast und es liegt auch

viel rum, das Aufräumen gehört ja auch zur guten

deutschen Erziehung dazu und es ist schwierig

manchmal. Ich denke, der nächste Schritt ist die

Currywurst Soße und das zu vermarkten und

vielleicht sogar die Flaschen irgendwo im Shop zu

sehen. Pet's Courage Berlin Currywurst Sauce oder

so. Das ist das nächste. Und ich will auch meine

Frau das ein bisschen mit ihr malen, dass sie das

bisschen rausbringt. Sie macht sehr viel mit

älteren Leuten, also so Therapie malen, dass wir

das unterstützen und sie macht Zumba. Jetzt wollen

wir die Leute, die sie jetzt organisiert hat, bei

uns war mal so ein bisschen Tanz machen mit Zumba,

dass die Leute kommen auf einen Sippen Sekt und

einen Zumba Tanz oder so. Einfach Spaß haben am

Leben und einfach die Leute, das ist zu viel Platz

hier für uns. Ich würde es gerne teilen mit

Leuten, die das bewusst wahrnehmen und

respektieren. Das ist wichtig und dass man diesen

Platz shared, dass man das gemeinsam genießt, So

wie ich auch wenn ich anderswo hingehe, ich bin

dann mit meinem Schwager, bin ich der Fisherman.

Wir gehen dann fischen und dann bin ich in seinem

Leben drin und muss zwar den Fisch nicht

ausnehmen, aber ich habe den Moment, wo ich mit

dem Boot draußen bin und das ist eine Erfahrung,

die ich über ihn erfahren kann. Und so können

Leute hier bei mir mit den Bienen und ich bin

immer bereit, jungen Leuten und alten Leuten über

Bienen alles zu erzählen. Ganz gefährlich. Könnte

Stunden dauern.

Benjamin: Dazu machen wir nochmal einen anderen Podcast,

weil dieser Honig, kann ich auch wirklich nur

sagen, sieht unfassbar lecker aus. Ich kann kaum

erwarten, den zu probieren. Ist wirklich

inspirierend. Ich finde es wirklich schön, dass du

dir die Zeit genommen hast, mit uns zu sprechen.

Ich finde es auch wirklich spannend, wie du dein

Leben angehst, wie Menschen ihr Leben angehen. Es

ist wirklich sehr inspirierend und wünsche dir

weiterhin alles Gute auf deinem Weg. Vielen,

vielen Dank für heute.

Patrick: Ich danke dir, dass du gekommen bist. Freut mich

auch.

END OF TRANSCRIPT

Share

Follow SBS German

Download our apps

Listen to our podcasts

Get the latest with our exclusive in-language podcasts on your favourite podcast apps.

Watch on SBS

German News

Watch it onDemand

Watch now