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Wellington wants to be predator-free - and gives the kiwi back its home

The kiwi is the national bird of New Zealand. He can't fly and only has poor vision. Source: iStockphoto / powerofforever/Getty Images/iStockphoto
New Zealand is launching the next phase of its unprecedented conservation program. The country's capital is to become a blueprint for an entire nation — and for a bird that has almost disappeared.
Barbara Barkhausen: In diesen Herbsttagen auf
der Südhalbkugel, Wenn die Wälder rund um
Wellington in warmen Farben leuchten, so soll in
der neuseeländischen Hauptstadt etwas beginnen,
das es so noch nirgendwo auf der Welt gegeben hat.
Eine ganze Stadt erklärt eingeschleppten
Raubtieren den Krieg und kämpft damit auch um das
Überleben ihres Nationalvogels, des Kiwis.
Naturschutzminister Tama Potaka kündigte an, dass
Wellington zur ersten raubtierfreien Stadt
Neuseelands werden soll. Das Ministerium für
Naturschutz investiert dafür über fünf Jahre
hinweg 5,5 Millionen neuseeländische Dollar, um
gemeinsam mit den Organisationen Capital Kiwi und
Sealandia Temara-Atane eingeschleppte Raubtiere
auf. Einer Fläche von Hektar systematisch zu
bekämpfen. Mehr als Einwohnerinnen und Einwohner
und Unternehmen sollen davon profitieren und eine
Tierwelt, die seit Jahrhunderten unter dem Druck
des Menschen leidet. Dies ist ein koordinierter
Vorstoß über die gesamte Stadt hinweg, sagte
Potaka. Praktische Maßnahmen, die die Menschen in
ihren Stadtteilen wahrnehmen werden, mit mehr
heimischen Arten, die zurückkehren und gedeihen.
Die Nachricht ist Teil des größeren nationalen
Programms Predator Free 2050 das sich das Ziel
gesetzt hat, sämtliche eingeschleppten Raubtiere
von den beiden neuseeländischen Hauptinseln zu
tilgen. Wellington soll nun zur Blaupause werden
für andere Städte für das ganze Land. Dass dieses
Ziel bitter nötig ist, zeigen die Zahlen. Seit der
mensch vor rund 750 Jahren die Inseln betrat,
wurden mindestens 76 Vogelarten ausgelöscht. Der
Kiwi, Nationaltierwappentierschatz der Maori, ist
eines der bekanntesten Opfer dieser Entwicklung.
Experten der Maasai Universität schrieben im
Wissenschaftsmagazin the Conversation, dass einst
rund 12 Millionen Kiwis die Inseln bevölkerten.
Heute sind es rund. Die durchschnittliche
Lebenserwartung des Vogels, der eigentlich 60
Jahre alt werden könnte, ist auf 13 Jahre
gesunken, weil Hunde, Katzen, Hermeline und
Frettchen ihn jagen. Der nachtaktive, flugunfähige
Vogel ist eine biologische Kuriosität. Er hat mehr
mit Säugetieren gemein als mit anderen Vögeln,
besitzt einen hochentwickelten Geruchs und
Tastsinn und gräbt Höhlen in den Boden. Für die
Maori gilt er als Tarunga, als Schatz. Sein
Konterfei ziert die Eindollar Münze und das Logo
der neuseeländischen Air Force. Doch der Kiwi ist
bei weitem nicht die einzige Kuriosität unter
Neuseelands Federtieren und die Schutzmaßnahmen
kommen allen zugute. Da wäre der freche
Bergpapage, der Verkehrshütchen verrückt,
Brieftaschen klaut und gelegentlich Schafe
attackiert, oder der Kakapo, ein flugunfähiger
Eulenpapagei, der zu den seltensten Vögeln der
Welt zählt. Die Taubenart Kéreru ist dafür
bekannt, vergorene Beeren zu fressen und
anschließend betrunken aus Bäumen zu fallen, und
der Gelbaugen Pinguin gilt als ausgesprochen
unsozial. Er kommuniziert mit Artgenossen am
liebsten per Schrei und auf Distanz. Es ist eine
Vogelwelt wie aus einem Kinderbuch, und sie ist
ernsthaft bedroht. Hoffnung macht, dass
Schutzmaßnahmen nachweislich wirken. Die
Organisation Kiwi Coast im Norden des Landes
koordiniert rund 190 Gemeinde und
Indigenengruppen. An der Hälfte der Standorte, an
denen 2016 keinerlei Kiwi Aktivität mehr
festgestellt worden war, war 2021 der Ruf des
Nationalvogels wieder zu hören. Bei Wangarai Heads
wuchs die Population von 80 auf über 1000 Tiere.
Das kam dank jahrzehntelanger harter Arbeit
unserer Gemeindegruppen zustande, schrieb die
Koordinatorin Ger Sullivan damals in einer E Mail.
Besonders im Fokus des Programms stehen neben
Ratten und Wieseln auch Wildkatzen. Neuseeland
schätzt ihre Population auf 2,4 Millionen, und
ihre Auswirkungen sind dramatisch. Eine einzige
verwilderte Katze tötete 2010 in Oakuna innerhalb
einer Woche 107 Kurzohren Fledermäuse. Zuletzt
wurden Wildkatzen daher offiziell in den
Ausrottungsplan aufgenommen, Hauskatzen hingegen
nicht. Neuseeland ist voll von stolzen
Katzenbesitzern, und Haustiere sind nicht Teil
dieses raubtierfreien Ziels, betonte Minister
Potaka. Landesweit sind bereits mehr als kommunale
Fallenprojekte aktiv. Wellington soll nun zeigen,
dass das, was im Kleinen funktioniert, auch im
großen Maßstab gelingen kann. Wenn der Plan
aufgeht, werden es die Bewohner und Bewohnerinnen
der Stadt vielleicht zuerst in ihren Parks und
Gärten bemerken. An einem Laut in der Nacht, den
viele lange nicht mehr gehört, dem Ruf des Kiwis.
Das war für SBS Audio Barbara Barghausen.



